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Testbericht AR 3030 © AgDX

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überarbeitet am 21.7.2010

AOR AR 3030 - Aspekte und Gebrauchseindrücke

Die renommierte Scannerfirma hat sich zur Entwicklung und zum Serienbau eines Stationsempfängers entschlossen, das ist überall in interessierten Kreisen bekannt geworden. Das Gerät heisst schlicht AR 3030. Im WRTH 94 gab es eine kritische Kurzvorstellung mit einem wenig aussagenden Bild.

Doppelsuper, ZF 45 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige 10 Hz

AM, USB/LSB, CW/Data, FM-n

Empfindlichkeit SSB < 0,5 uV

Selektivität -6 dB
2,4 kHz, 6 kHz

RF-Gain, Abschwächer 2x, AGC 2x, NB

100 Speicher, RS232-Schnittstelle

Äusserlichkeiten
Grob gesagt hat er die Maße wie ein Lowe HF 225 bei fast 4 cm größerer Tiefe, so daß die Außenmaße 250 x 100 x 240 mm betragen. Der Aufstellbügel ist dabei allerdings eingeklappt. Zum DX-Camp am ersten Augustwochenende 1994 (siehe auch wwh 9/94) hatten wir u.a. ein Serienexemplar mit zwei zusätzlichen bogerfunk-Modifikationen zur allgemeinen Benützung. Bereits zu Pfingsten war für kurze Zeit von uns ein AR 3030 getestet worden, der freundlicherweise von der Hamburger Firma Kölsch ausgeliehen wurde. Nur bezüglich Großsignalfestigkeit liess er damals noch Wünsche offen.
Die Antwort darauf die eine der von bogerfunk angebotenen Modifikationen, IP + genannt. Wie bereits bei unserem Camp - Bericht erwähnt gab es nur mit der 80-m-Loop in den Abendstunden geringfügige Überladungen, die aber mit 10 dB Dämpfung oder zugeschaltetem Preselektor leicht beherrschbar waren.

Nun zu den Bedienelementen. Die Beschreibung ist etwas ausführlicher, um auch unsere nichtsehenden und sehbehinderten OMs zu berücksichtigen. Das Gerät besitzt ein solides Alu-Rahmen-Chassis, bestehend aus zwei Gehäusehalbschalen. Die Frontplattengliederung macht einen vernünftigen Eindruck; sie wird durch eine etwa mittig verlaufende dünne Alu-Leiste in zwei horizontale Flächen geteilt.
Die obere Hälfte kann wie folgt beschrieben werden (von links nach rechts betrachtet): Der Ein-/Aus-Schalter, darunter die 1/4"-Buchse für den Kopfhörer, daneben das zweifarbig skalierte, beleuchtbare S-Meter. Die MODE-Umschaltung liegt daneben: zwei Tasten in waagerechter Anordnung für UP und DOWN, für AM, AMSync, USB, LSB, CW, FAX und FM. FM ist übrigens auch in der normale Geräteversion betriebsfähig. Jeder Betriebsart ist eine farbige LED zugeordnet.
Es folgt eine übersichtliches, gelb-grünlich hinterleuchtetes Display (gleichfalls abschaltbar). Das letzte Viertel rechts: neun Tasten für die Auswahl der beiden VFOs, von Bandbreite, Regelzeit, Dämpfung, Tonfilter, Speicher- und Scan-Betrieb. Speicherplätze gibt es übrigens 100.
Nun zur unteren Hälfte der Frontplatte. Zwischen dem Lautsprechergrill und dem großen Abstimmknopf gibt es vier kleinen Knöpfe, die etwa die Fläche einer Streichholzschachtel einnehmen. Die oberen sind etwas dicker, was in der Gesamtoptik kaum auffällt. Der wichtigste sitzt links oben: VOLUME. Daneben erfolgt die CW-BFO-Einstellung, dieser Knopf kann auch zur Bandshift benutzt werden (dazu aber weiter unten). Unter der Lautstärkeregelung ist der Squelch und rechts der RF-Gain zu linden, der HF-Handregler. Nun erst kommt der große Abstimmknopf für drei verschiedene Geschwindigkeiten. Daneben liegen in drei Linien übereinander die zehn Zifferntasten, dazu Punkt, kHz und MHz sowie Meterband und ENTER. Der kleinste Abstimmschritt ist übrigens 5 Hz. Die Tasten sind keineswegs gummihaft, sie gehen sauber und haben einen gut wahrnehmharen Druckpunkt So haben wir letztendlich fünf Knöpfe und 27 Tasten, die sehr differenziert auf drei Felder verteilt sind.
Das Gerät ist vorbereitet zur späteren Aufnahme einer von zwei VHF-Platinen. Auf der Rückseite befinden sich 2 BNC-Antennenbuchsen (eine für VHF)und der Anschluß für hochohmige Antennen mit Antennenselektor-Schiebeschalter. Folgende Buchsen stehen weiter zur Verfügung: Steckbarer 12-V-Anschluß (solides Netzteil ist im Lieferumfang), eine achtpolige AUX-Buchse mit diversen Pegeln, wie z.B. 455 kHz - ZF oder den relaisgeschalteten Squelchausgang.
In der oberen Hälfte der Rückseite wird mit zwei (verlierbaren!) Rändelschrauben und einem soliden Deckel ein Batteriefach zur Aufnahme von acht Mignonzellen (R6) verschlossen. Solcher Batteriebetrieb kann aber leicht zu einer kostspieligen Sache werden, da die Stromaufnahme des Gerätes relativ hoch ist (laut Hersteller: 700 mA ...). Oben sitzt noch ein kleiner vertikaler Beleuchtungsschalter. Soweit das Äußere.

«Die Innereien»
Um ohne Röntgenaugen an das Innere zu kommen müßte man das bogerfunk-Siegel beschädigen, was Garantieverlust bedeutet. Nur mit allerhöchster Genehmigung waren Einblicke zu gewinnen. Sauber und übersichtlich sind die Platinen In konventioneller Bestückungsweise mit einer größeren Aussparung am Boden für den 66 mm großen 3 W-Lautsprecher, der aber auch teils nach vorne abstrahlt.
Mit dem eingebauten Lautsprecher bekommt man bessere Ergebnisse mit leicht schräg gestelltem Empfänger (dazu ist wohl der Bügel da). Dennoch darf man einen externen Lautsprecher anschließen, um nicht bei halbem Genuß sitzen zu bleiben. Auf den Bildern erkennt man die Eingangsendpässe. Das Filter für 540 - 1800 kHz hat eine feste Pegelabsenkung von 10 dB, wie z.B. auch beim NRD 515. Der TCXO ist zu erkennen und die ziemlich reichlich bemessene Filterbank für die zweite ZF von 455 kHz, AM und FM mit den zugehörigen Anpaß-Schaltungen.
Der rote Geräteaufkleber "Collins inside" weckt hohe Erwartungen, denn fast überall bei den Mitbewerbern wird bei den ZF-Filtern gespart, so daß bei vielen Geräten nur die Alternative bleibt, mit besseren Filtern (die oft nur auf Schleichwegen zur erhalten sind) nachzurüsten. Mechanische Collinsfilter haben eine lange Tradition; im AOR AR 3030 zeigt sich wieder die hervorragende Signalverarbeitung in der 455 kHzLage mit zwei mechanischen Collins-Rockwell- Filtern. Der kleine Unterschied: hörbar besser.
Ein freies Feld ist für eine etwaige VHF-Platine reserviert. Eingesetzt werden kann Converter CON-2 für 140 ... 170 MHz oder Converter CONAIR für 108 ... 140 MHz. An mehreren Stellen wurden die üblichen Schaltdioden durch Relais ersetzt, so bei den Dämpfungsgliedern (0/10/20 dB). In der Rauschsperre sitzt eines zur galvanischen Trennung von nachgeschalteten Geräten.
Zwei VFOs zur Verfügung zu haben ist schon eine praktische Sache, da nicht nur die Frequenz sondern auch alle übrigen Einstellungen mitgenommen werden.
Wie weiter vorne angedeutet kann in Stellung SSB der BFO-Regler als Passbandtuning betrieben werden, wenn man nacheinander O und mtr drückt - das ist ein wenig Übungssache. Die Tasten MHz und kHz stehen am Ende der Frequenzeingabe Darüber hinaus kann man durch Mehrfachtasten von kHz die variable Eingabe auf ganze 1000, 100 oder 10 Hz begrenzen.
BS/ENT gedrückt bewirkt die Blockierung aller Einstellungen. Speicher- und Suchlauffunktionen sollen hier nicht weiter erörtert werden, sind diesem Fall sinnvoll und praktisch erdacht.
Zum Lieferumfang des 2,2 kg schweren Gerätes gehört ein Netzgerät, das für 12 V = bei 1000 mA ausgelegt ist, je eine Beschreibung in Englisch und Deutsch, sowie ein Konformitätszertifikat der Bundesanstalt für Zulassungen der TELEKOM.

Fazit
Nun wird immer wieder nach den Empfangsleistungen gefragt. Ein Gerätevergleich mag manchmal spannend sein, aber eigentlich ist in diesem Bereich die Luft raus, Wunder sind selten oder nicht bezahlbar. Wir sind bei derartigen Empfängern am Rande des physikalisch Machbaren angekommen. Es gäbe in diesem Zusammenhang noch viel über Empfängerkonzepte, Anforderungen und Möglichkeiten zu philosophieren. Ich kann aber getrost sagen, daß es der Firma AOR gelungen ist, mit dem AR 3030 eine sehr gute Lösung herauszubringen und mit ihm gleich in die vorderste Front der semiprofessionellen Empfänger einzudringen.

Zum Vergleich haben wir folgende Geräte betrieben: JRC NRD 505, Lowe HF 225, Lowe HF 150 mit PR 150, EKD 514 und Drake SPR-4. Als Antennen kamen zum Einsatz: 80-mLoop, ara 30, verschiedene Grahn-Antennen, einige (magnetische) Eigenbauten.

Technische Daten
Frequenzbereich: 30 kHz - 30 MHz
Abstimmschritte: 1 MHz. 1 kHz, 100 Hz, 10 Hz; kleinster: 5 Hz
Modulationsarten: AM (mit SYNC), SSB, CW, FAX, FM
Speicher: 100
Empfindlichkeit: (SSB, 10 dBS+N/N)
30 kHz - 500 kHz 1 uV
500 kHz - 1,8 MHz 5 uV
1,8 MHz - 30 MHz 0,5 uV
Bandbreiten (-6 dB): 2,4 kHz (Murata Keramik); 6,0 kHz (achtopoliges mech. Collinsfilter)
Zubehör: 0,5 kHz mech. Collinsfilter für CW
Dynamikbereich: 100 dB bei 25 kHz Abstand und 500-Hz-Filter
Spiegelfrequenzen: - 70 dB
Stromversorgung: 12 - 13,8 V über mitgel. 220-V-Netzteil oder acht interne Mignonzellen
Abmessungen: 250 x 88 x 240 mm
Gewicht: ca. 2,2 kg (ohne Batterien)
Preis: ca. DM 2000,- / öS 15000,-
Vertrieb: Amateurfunkfachhandel (IP-Mod: bogerfunk)

© J. Semmler, Hamburg, wwh 11 / 94