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Seiki Electronics Inc., Japan

Century - 21

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überarbeitet am 22.7.2010

Doppelsuper, Wadley Loop Prinzip

Analoganzeige, linear, ca. 5 kHz

AM, SSB (BFO)

0,5 - 30 MHz

Selektivität -6/-30 dB
AM 7/13 kHz, SSB 4/8 kHz

Sensitivität
SSB < 0,5 uV, AM < 1 uV

RF-Gain, Preselektor, S-Meter

Aus Fernost kam in den achziger Jahren ein Gerät in die Geschäfte, welches unter dem Label Century-21 keine bekannten Assoziationen zu wecken vermochte, das Gerät ist technisch aber dem Drake SSR-1 ähnlich und wohl praktisch identisch zum Standard C-6500. Das service- und modifikationsfreundliche Gerät wurde nicht selten als Einsteiger - Empfänger ins DXen oder als Zweitempfänger von Kurzwellenamateuren eingesetzt und taucht gelegentlich auf dem Gebrauchtgerätemarkt auf.

Das Gerät hat mit den Abmessungen von 340 x 290 x 156 mm die Grösse eines üblichen Stationsempfängers. Das Metallgehäuse ist sehr bedienerfreundlich zu öffnen und lässt einem erfahrenen Bastler genügend Platz für Modifikationen; an einem Century-21 zu arbeiten ist eine Wohltat im Vergleich damit, einen ICF-6800W wieder zusammenzusetzen.
Das Gerät kann mit 8 UM-1 Monozellen, an 12 Volt Gleichstrom aus der Autobatterie oder mit 220V Netzspannung betrieben werden, die Abmessungen und das Gewicht von 6,4 kg machen das Gerät portabel, aber auch nicht mehr. Einen guten Einsatzzweck hat es beispielsweise als Zweitempfänger in unserer Alphütte gefunden, wo wir auf 12V Solarstromversorgung angewiesen sind, in die Ferien würde ich es sonst lieber nicht mitschleppen.

Die Frontplatte ist für ein Gerät aus den achziger Jahren einfach strukturiert, die Bedienung trotzdem nicht ganz unproblematisch, wenn man noch nie mit einem Gerät mit Wadley Loop - Schaltung gearbeitet hat.
In der oberen Hälfte der Frontplatte liegen links der Lautsprecher und rechts die Abstimmelemente. Mit dem MHZ - TUNE Knopf wird das gewünschte MHZ - Band gewählt, hier muss innerhalb der MHz - Bereichsmarkierung der inneren Rundskala auf Rauschmaximum eingestellt werden, mit dem Abstimmknopf lässt sich dann auf der äusseren 000 - 999 Skala die kHz - Stelle mit einer Genauigkeit von 5 - 10 KHz einstellen. Hier zeigt sich im Vergleich mit anderen Amateurgeräten aus der gleichen Zeitperiode (wie der Trio-Kenwood 9R59DS oder R-300, den frühen Grundig Satelliten ohne Digitalanzeige) die verbesserte Frequenzgenauigkeit gegenüber reinen Analoggeräten , alle Geräte mit digitaler Frequenzanzeige stellen allerdings die Wadley Loop - Technologie meist dann doch wieder in den Schatten. Zum guten Empfang muss dann noch mit dem PRE-SELECTOR auf Signalmaximum abgestimmt werden.
In der unteren Hälfte der Frontplatte finden sich von links die Kopfhörerbuchse, der RF-Gain (HF-Verstärkungs-) und der AF-Gain (Lautstärke-)Regler, die Bandumschaltung welche die einzelnen Preselektorbereiche schaltet und der Betriebsartenschalter, mit dem im Einseitenbandbetrieb die beiden Seitenbänder separat ausgewählt werden können. Hinter dem Regler Clarify verbirgt sich eine zum SSB- und CW-Empfang sinnvolle Feinabstimmung.

Die Rückseite ist schlicht ausgestattet, neben der Netzkabeleinführung (kein Steckkontakt) und der hinten angebrachten Teleskopantenne finden sich von links die Buchsen für den Tonbandausgang, die Stummschaltung (MUTE) und der Antennen- und Erdanschluss, sowie der Sicherungshalter.

Die Bedienung ist an sich unproblematisch, wenn man die Philosohie hinter den auf dem Wadley Loop basierenden Empfängern kennt, kann aber einen sonst ziemlich ins Bockshorn jagen, dass ein Empfängerdefekt vermutet werden könnte.
Mit VOLUME wird eingeschaltet, bis es aus dem Lautsprecher etwas rauscht, der RF-GAIN gehört auf den rechten Anschlag, MODE zum Rundfunkempfang auf AM und CLARIFY in die Mittelstellung. Soll nun beispielsweise der Österreichische Rundfunk auf 6155 kHz empfangen werden, wird mit dem BAND Schalter der die Frequenz überstreichende Bereich von 5 - 12 MHZ gewählt. Mit MHZ-TUNE wird etwa auf die Mitte der Marke [ 6 ] der inneren Kreisskala abgestimmt, es sollte ein deutliches Rauschen hörbar werden. Mit dem Hauptabstimmknopf wird auf der oberen / äusseren Kreisskala auf 155 eingestellt, und Wien sollte hörbar werden. Mit dem PRE-SELECTOR wird der Vorkreis auf Maximum abgestimmt und nochmals vorsichtig mit MHZ-TUNE auf maximalen Ausschlag am S-Meter erhöht. Kommt es zu Verzerrungen und Überladungserscheinungen, die vor allem an einer längeren Aussenantenne nicht selten auftreten, kann der RF-GAIN etwas zurückgenommen werden, bis das S-Meter etwas um 7 - 9 herum ausschlägt. Zum Empfang von SSB-Aussendungen muss mit dem Betriebsartenschalter aus USB oder LSB gestellt und mit dem CLARIFY Regler fein abgestimmt werden, bis die Sprache nicht mehr nach Mickey Mouse und die Musik akzeptabel klingt, hierbei muss oft manuell der RF-Gain geregelt werden, dafür kommt zum SSB-Empfang ein schmäleres ZF-Filter zum Einsatz.

Elektronisch arbeitet das Gerät nach dem Wadley Loop - Prinzip, das erstmals im RA-17L von Drake breit zur Anwendung kam: von einem Mutterquarz werden stabile Oberwellenschwingungen abgeleitet, die zu einem quarzstabilen Signal jeweils auf jedes volle MHZ im Bereich von 45,5 - 75,5 MHz führen. Mit dem MHZ-TUNE Drehkondensator wird auf die eine jeweils gewünschte Oberwelle abgestimmt, das Signal mittels einem 42,5 MHz Oszillator auf eine Zwischenfrequenz von 2,5 MHz herabgemischt, und das Signal mit einem in einem 1 MHz-Segment, in diesem Falle von 2 - 3 MHz, linear abstimmbaren VFO gemischt. Die Skala dieses VFO kann dann von 000 - 999 beschriftet zur Einstellung der KHz-Stelle der Empfangsfrequenz herangezogen werden, die Zwischenfrequenz wird so auf 455 kHz umgesetzt und nach Passage des ZF-Filters und Verstärkung dem Demodulator zugeführt.

Im praktischen Einsatz besticht der Century-21 durch eine hohe Empfindlichkeit, er kommt mit recht kurzen Behelfsantennen oder der eingebauten Teleskopantenne aus, überlädt dafür gern an Langdraht- oder Aktivantennen, so dass abgeschwächt werden muss. Die ZF-Filter verleihen dem Empfänger eine brauchbare Selektivität, sie können evtl. durch schmalbandigere 455 kHz-Filter ersetzt werden.
Die Abstimmung ist mit der Notwendigkeit der Bedienung von MHZ- und kHz-Abstimmung, Preselector und Bandschalter gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig und rasche Frequenzwechsel sind mühsam. Wenn ein Signal schwächelt, kann wirklich das Antennen- Signal den Ausbreitungsbedingungen entsprechend schlecht sein, oder das Maximum des MHz-Signals liegt nicht ganz in der Mitte, der Preselektor ist leicht verstellt, der RF-Gain noch reduziert, etc. - so schnell ist etwas vergessen! Oftmals liegt auch die Eichung der kHz-Skala ein bis drei kHz daneben, der Umstand kann durch Nachtrimmen von L21 behoben werden.
Insgesamt ist der Century-21 ein Sammlergerät, als Zweitgerät zum DXen geeignet und als Ausgangpunkt für Erfahrungen mit Gerätemodifikationen ein dankbares Opfer, einige Century-21 habe ich auf Funkflohmärkten schon in schlechtem Zustand angetroffen, die Unverwüstlichkeit von kommerziellen Empfängern, die nach jahrelangem Betrieb immer noch aufs kHz stimmen und fast wie am ersten Tag spielen, ist bei dem Preiskompromiss von Schaltungs- und Fertigungstechnik nicht zu erreichen.

Zu erwähnen bleibt noch, das Prinzipschaltbild und Schaltung des Drake SSR-1 und vor allem des Standard C-6500 dem des Century-21 sehr, sehr ähnlich sind.

weitere Lektüre:
d: Century-21 Kurztest, Günther Schellhorn, weltweit hören 10 / 1986
d: Modifikationen am Century - 21, Günther Schellhorn, wwh 11 / 1987

© Günther Schellhorn, wwh 10 / 1986