Home

Grundig, Fürth

Testbericht Yacht Boy 206 - © AgDX weltweit hören 12 / 1992

Logo
Reiseempfänger
Portable Empfänger
Stations-Empfänger
Oldie - Empfänger
"Boatanchors"
Militärisches Gerät
 
Grundig
 
Yacht Boy 120
Yacht Boy 206
Yacht Boy 220
Yacht Boy 400 (1.Version)
Yacht Boy 400
Yacht Boy 500
Yacht Boy 700
 
Empfängerliste
Empfänger - Manuals

überarbeitet am 24.7.2010

Analog contra Digital
Yachtboy 206 und Ocean Boy

Mit dem Yachtboy 206 und dem Oceanboy treffen zwei Geräte der Firma Grundig aus unterschiedlichen Technologiegenerationen aufeinander. Während der Yachtboy in konventioneller Analogtechnik aufgebaut ist, setzt der Oceanboy ganz auf die digitale Technik.

Austattung
Der Yachtboy bietet dem Benutzer über seine Analogskala neben UKW, LW und MW insgesamt 12 Kurzwellenbänder im Bereich von ca. 2200 bis 22000 kHz an. Die Auswahl des Bandes erfolgt über einen kleinen Schiebeschalter, der das eingestellte Band aber leider nur sehr schlecht anzeigt. Um festzustellen, in welchem Bereich des Kurzwellenspektrums man sich aktuell befindet, muß man erst einmal die Schalterposition ablesen und anschließend auf der Frequenzskala vergleichen, zu welchem Band diese Einstellung gehört. Eine für den Benutzer recht unübersichtliche Lösung.
Bedingt durch die Einteilung der Kurzwelle in einzelne Bänder sind leider manche Standardstationen nicht oder nur schlecht zu empfangen. Betroffen sind davon z.B. die BBC auf 9410 kHz und China Radio International (Radio Beijing) auf 11500 kHz. Sie befinden sich an bzw. außerhalb der Bandgrenzen.
Das Abstimmrad auf der rechten Seite des Gerätes ist eher für japanische Finger ausgelegt. Da es nur wenig über den Gehäuserand hinausragt, ist es etwas schlecht zugänglich. Eine Tuning-LED zeigt an, wann der Sender optimal eingestellt ist. Das funktioniert zumindest auf LW, MW und UKW recht gut, stößt aber abends in dicht belegten Kurzwellenbändern an seine Grenzen.
Neben einer Uhr (diese ausnahmsweise in digitaler Anzeige) bietet der Yachtboy 206 Weckfunktionen und eine Einschlafautomatik.
Über einen 3.5 mm-Klinkenstecker kann ein Kopfhörer angeschlossen werden und zur bedienungsfreundlichen Aufstellung gibt es auf der Geräterückseite eine ausklappbare Stütze.
Die Stromversorgung erfolgt wahlweise über vier Mignonzellen (drei für den laufenden Betrieb und eine für die Uhr) oder über ein 4.5 Volt-Netzteil.

Gänzlich anders präsentiert sich der Oceanboy. Gemeinsam mit dem Yachtboy hat er lediglich die schwarze Farbe, die Trageschlaufe und das Firmenlogo Grundig.

Ein Abstimmrad sucht man vergebens. Die Frequenzwahl des sythesizergesteuerten Gerätest erfolgt per Up/Down-Tasten und ist nur in festen Rastern möglich. Für Kurzwelle ist das Frequenzraster S kHz, für Mittelwelle 9 kHz (europäisch), für Langwelle 1 kHz und für UKW 50 kHz.
Der Frequenzbereich des Gerätes ist zwar kontinuierlich, aber sehr begrenzt. So reicht die Mittelwelle von 531 bis 1602 kHz, die Kurzwelle gar nur von 5900 bis 15500 kHz.

Bei der Frequenzwahl durch die Up/Down - Tasten dauert es unter Umständen eine Weile, bis man auf der gewünschten Frequenz ankommt. Vor allem entwickelt der Tuner eine beachtliche Geschwindigkeit, so daß es schon einer guten Portion Treffgenauigkeit bedarf, um nicht allzuweit von der gewünschten Frequenz anzuhalten. Die Umschaltung der Frequenzbereiche erfolgt seitlich über eine Schiebeschalter, der jedoch einen etwas wackeligen Eindruck macht. Zusätzlich verfügt der Oceanboy über fünf frei programmierbare Frequenzspeicher.
Man kann sich mit seinem Lieblingssender wecken lassen und auch durch die Einschlafautomatik in den Schlaf wiegen lassen.

Die Empfindlichkeit des Empfänger kann zwischen "DX" und "LOKAL" umgeschaltet werden. hat jedoch wenig Sinn. da das Gerät ohnehin nicht sehr empfindlich ist. Ein weiterer Schalter arbeitet als Tonblende und soll die Höhen aus dem Audiospektrum dämpfen bzw. freigeben. Auch diese Funktion ist recht fragwürdig. Die Tastatureingabe laßt sich über einen Schiebeschalter am Boden des Gerätes verriegeln.

Als externe Anschlüsse stehen eine Klinkenbuchse für einen Kopfhörer und eine Buchse für die Stromversorgung durch ein Netzteil zur Verfügung. Der Oceanboy benötigt 4 Mignonzellen (lautender Betrieb) und zwei AAA-Zellen (Sonderformat !) für das Backup von Uhr und Senderspeicher oder ein 6 Volt-Netzteil.

Empfangseigenschaften
Bei Geräten dieser Größen- und Preisklasse kann man natürlich keine Wunder erwarten. So ist die Bandbreite für Kurzwelle recht breit und verursacht bei dichter Belegung Interferenzpfeifen. Diese Aussage gilt für beide Geräte gleichermaßen. Auch die Produktion von Geisterfrequenzen und Übersteuerungseffekten ist bei beiden Empfängem gleich. Ein sensibles Hantieren mit der Länge der Teleskopantenne ist angebracht.

Im Vergleich der Empfindlichkeit liegt der Yachtboy deutlich vorn. Störend am Oceanboy ist der selbstproduzierte Störnebel durch den Mikroprozessor. Er breitet sich kontinuierlich über alle Bereiche aus, beeinträchtigt aber besonders stark den Lang- und Mittelwellenempfang. In Verbindung mit der geringeren Empfindlichkeit sind mit diesem Gerät weniger Stationen bzw. in schlechterer Qualität als mit dem Yachtboy zu empfangen. Stark einfallende Stationen wirken auf dem Oceanboy ruhiger und lassen sich angenehmer hören. Die Aufnahme der Tropenhänder heim Yachtboy 206 ist eine fragwürdige Entscheidung. Auf 120 und 90 Meter ist kein einziger Sender zu empfangen und im 60 m-Band kommen nur einzelne besonders leistungsstarke Sender durch. Lediglich das 75 m-Band macht mit seinen starken europäischen Stationen einen Sinn.

Auf Mittel- und Langwelle ist der Yachtboy deutlich überlegen, da er seine bessere Empfindlichkeit vor allem hier ausspielen kann und nicht wie der Oceanboy mit seinen hausgemachten Störungen kämpfen muß. Das Testgerät (Oceanboy) zeigte übrigens auf Langwelle generell 2 kHz zuviel an. In der laufenden Serie soll dies behoben sein.

Resumee
Beide Geräte können lediglich als schnelle Informationsquelle für unterwegs dienen (z. B. im Urlaub) und sind nicht für intensives DX-en zu empfehlen. Der Yachtboy bietet insbesondere auf Lang- und Mittelwelle noch etwas mehr als nur Lokalsender.
Im direkten Vergleich der beiden Geräte liegt der Yachtboy bei den Empfangseigenschaften vorne, wohingegen der Oceanboy nicht zuletzt durch seine fünf Speicherplätze das bedienungsfreundlichere Gerät darstellt.
Wer übrigens wie der Tester beide Geräte gleichzeitig zur Verfügung hat, kann den Oceanboy als digitalen Frequenzmesser einsetzen. Der Mischer erzeugt nämlich um +/- 455 kHz von der eingestellten Frequenz einen Träger. Stimmt man diesen auf den angewählten Sender des Yachtboy ein, kann man auf der digitalen Anzeige des Oceanboy die Frequenz des -Senders um +/- 455 kHz ablesen. Die Methode funktionierte bei den beiden Testgeräten auf ca. 5 kHz genau.

© Thomas Adam, wwh 12 / 1992

Technische Daten
Yachtboy 206

Frequenzbereiche: UKW (FM) 87.5 - 108 MHz
Langwelle 148.5 - 283.5 kHz
Mittelwelle 526.5 - 1606.5 kHz
Kurzwelle 2300 - 2500 kHz, 3200 - 3400 kHz 3900 - 4000 kHz, 4750 - 5060 kHz 5900 - 6200 kHz, 7100 - 7500 kHz 9500 - 9900 kHz, 11600 - 12050 kHz 15100 - 15600 kHz, 17500-17900 kHz 21400 - 21850 kHz

ZF-Frequenzen: 10.7 MHz und 460 (455 ?) kHz
Ausgangsleistung: 700 mW
Ausgang: Kopfhörer (3.5 mm Klinkenbuchse)
Stromversorgung 3 x 1.5 V Mignonzelle (Radio) und 1 x 1.5 V - Mignonzelle (Uhr) oder Netzteil 4.5 Volt (5.5 mm-Buchse)
Antennen: Teleskop (UKW und KW), eingebaute Ferritantenne (MW und LW)

Oceanboy
Frequenzbereiche UKW (FM) 87.5-108 MHz
Langwelle 153 - 281 kHz
Mittelwelle 531 - 1602 kHz
Kurzwelle 5900 - 15 500 kHz

ZF - Frequenz: 10.7 MHz und 450 (455 ?) kHz
Ausgangsleistung: 800 mW
Ausgang: Kopfhörer (3.5 mm Klinkenbuchse)
Stromversorgung: 4 x 1.5 V - Mignonzelle (Radiobetrieb) 2 x 1,5 V - Microzelle (Uhr und Senderspeicher) oder 6 Volt Netzteil (5.5 mm Buchse)
Antennen: Teleskop (UKW und KW), eingebaute Ferritantenne (MW und LW)

weitere Lektüre:
d: Die kleinen von Grundig: Yacht Boy 206 und Ocean Boy, Jürgen Bast, kurier 5 / 92