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Japan Radio Company Ltd., Tokyo

NRD - 525

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überarbeitet am 25.7.2010

Nachdem bereits das Vorgängermodell, der Allwellenempfänger NRD-515 dem japanischen Hersteller Japan Radio Comp. zu einem hervorragenden Renommée verholfen hatte, zementierte der NRD-525 diesen Ruf. In grösseren Stückzahlen gebaut, war der NRD-525 bei den Kurzwellenhörern verbreitet und wird immer noch häufig auf dem Gebrauchtgerätemarkt angeboten.

Doppelsuper, ZF 70,455 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige auf 10 Hz genau, 90kHz - 34 MHz, VHF und UHF-Bereiche mit optionalem Konverter CMK-165

AM, CW, USB/LSB, RTTY, FM-n

Empfindlichkeit 90 kHz - 1,6 MHz AM<15uV, SSB<5uV,
1,6 - 30 MHz AM<2uV, SSB <0,5 uV

Selektivität -6/-60 dB
AM wide 4/10 kHz, inter 2/6 kHz, narrow* 1/3 kHz, aux/FM 12 kHz

S-Meter, RF-Gain, AGCx2, PBT, Noise blanker

200 Speicher, Scan- Funktionen, Uhr / Timer

Mit seinen Abmessungen von 33 x 13 x 28 cm und dem Gewicht von 8,5 kg entspricht der NRD-525 in etwa dem Format seines Vorgängers, bei gleicher Grösse ist aber ein kleiner Monitorlautsprecher bereits eingebaut und auch die auf dem Emfänger stehende Memory-Einheit entfällt. In den 7 Jahren seit Erscheinen des NRD-515 wurde das Frontplattendesign an die technischen und modischen Entwicklungen angepasst, der NRD-525 wirkt mit seiner anthrazitgrauen Frontplatte, dem mehrfarbigen Fluoreszenzdisplay und den grauen, orangen, weissen und blauen Drucktasten nicht mehr ganz so gediegen professionell wie sein Vorgänger. Nach Abnehmen der Geräteabdeckung wird der vollständig modulare Aufbau mit mehreren hochkant-längsseitig eingesteckten Platinen sichtbar. Bei Reparaturen und Modifikationen können so ganze Platinen ausgewechselt oder optionale Baugruppen wie der RTTY-Demodulator, eine PC-Steuerungsplatine mit RS-232 Schnittstelle oder der VHF/UHF-Konverter eingesteckt werden. Zu einem richtig guten Ton verhilft der externe Lautsprecher NVA-88.
Die Übersetzung der Bedienungsanleitung ist etwas lieblos ausgefallen, der Einbau von Optionen ist beschrieben und auch ausführliche Schaltbilder fehlen nicht. Ausführlichere Informationen enthält das Service Manual, das gegen Aufpreis bei IRC bestellt werden konnte. Nicht nur beim NRD-525 sondern auch bei anderen hochwertigen Kommunikationsempfängern mit Ihrer Vielzahl an Bedienungselementen kann es beim Anfänger zu Enttäuschungen kommen, wenn aufgrund falscher Einstellung von RF-Gain, PBT oder Notchfilter das Nutzsignal dank der Möglichkeiten des Empfängers unhörbar gemacht werden, Warnleuchten oder gerastete Mittelstellungen für die genannten Regler, welche Fehlmanipulationen verhindern könnten, fehlen. Sollte aber beim praktischen Einsatz aus einem NRD-525 nicht das ertönen, was im Vergleichsempfänger hörbar ist, lohnt es sich, nochmals sämtlicher Regler auf die im Handbuch beschriebene Grundposition zu bringen.

JRC verfolgt im Gegensatz beispielsweise zu Lowe die Bedienungsphilosophie, dass mit Tasten und Reglern direkt von der Frontplatte aus auf sämtliche Funktionen zugegriffen werden kann. Auf der Frontplatte finden sich also nicht weniger als 43 Bedienelemente. Ganz rechts unten findet sich der Netzschalter mit einer Stellung für Timerbetrieb und daneben der Lautstärkeregler AF-Gain. Oberhalb des Zehnertastenblocks finden sich zwei Tasten um den Empfänger in den Direkt- Abstimmungsbetrieb FREQ oder den Speicherbetrieb CHANNEL zu schalten. Entsprechend der Einstellung kann mit dem Zahnertastenblock - leider fehlt die für sehschwache DXer hilfreiche Punkt-Markierung auf der Taste 5 - eine Frequenz in MHz oder kHz eingegeben und der Empfänger mit Enter abgestimmt oder eine Speicherplatznummer eingegeben und mit Enter abgerufen werden. Entsprechend der Einstellung sind die UP-Down-Tasten auch zur raschen Frequenzabstimmung oder zum raschen Durchsuchen der gespeicherten Frequenzen einzusetzen. Die weiteren Tasten über dem Hauptabstimmknopf wechseln zwischen den Betriebsarten und den Filterbandbreiten, ein direkter Zugriff auf die gewünschte Betriebsart oder ein Filter wie beim Drake R-8A ist leider nicht möglich. Links unten finden sich 7 griffige Drehregler, glücklicherweise wurde auf spitzfingrig zu bedienende Doppelknöpfe verzichtet. Die Hochfrequenzverstärkung RF-Gain ist mit dem Knopf unmittelbar neben der Hauptabstimmung einstellbar, die weiteren Regler erlauben Zugriff auf den BFO, das Passbandtuning zur Verschiebung der ZF-Filter- Durchlasskurve, das auf Hochfrequenzebene arbeitende Notchfilter zur Ausblendung eines Störsignals, eine Rauschsperre/Squelchfunktion und den Tonregler. Der Störaustaster lässt sich in Wirkbreite und Intensität ebenfalls regeln. Die dimmbare Fluoreszenzanzeige hinter einer auberginefarbenen transparenten Abdeckung gibt mehrfarbig über Frequenz (bis 100 Hz), Speicherplatznummer und mehrere Betriebszustände Auskunft. Das S-Meter ist als Fluoreszenzbalken ausgeführt und wirkt gegenüber dem mechanischen Pendant ausgesprochen zappelig. Die Uhrfunktion kann nur auf Knopfdruck aufgerufen werden, bei Frequenzanzeige erlischt die Uhrzeit wieder. Weitere kleine Tasten unterhalb des Anzeigefelds schalten einen Frequenzversatz (RIT), den Abschwächer und die auf schnelle und langsame Reaktion umschaltbare AGC, des weiteren die Frequenzscan (SWEEP) und die Speicherscan (SCAN)-Funktion. In diesen Funktionen wird ein Frequenzbereich zum Empfänger abgescannt, die Geschwindigkeit wird mit dem PBS/SPEED- Regler eingestellt, die Ansprechschwelle mit dem SQUELCH-Regler. Die RUN-Taste startet den Suchlauf. Die ersten NRD-525 hatten lediglich eine Abstimmgeschwindigkeit, mit 2 kHz per Umdrehung des Abstimmknopfes und einer kleinsten Schrittweite von 10 Hz war der Empfänger zum Utility (Funkfernschreib/Fax)-Empfang wie geschaffen, das Absuchen eines Rundfunkbandes artete in eine arge Kurbelei aus. In späteren Geräten (ab Ende 1986) kann mit der Taste RUN die Abstimmgeschwindigkeit auf das Zehnfache und der kleinste Abstimmschritt auf 100 Hz erhöht werden, die Schrittweite der Up-/Down- Tasten erhöht sich damit von 1 auf 10 kHz. Zu erwähnen ist noch, dass verschiedene Features (Anzeige der 10-Hz-Stelle im Frequenzdisplay, Bestätigsungspieps nach jedem Tastendruck und zur Erhöhung der Eingangsempfindlichkeit unter Inkaufnahme eines schlechteren Intermodulations- verhaltens ein Bypass der Eingangs-HF-Filterstufe) durch Tasten- Kombinationen gewählt und so dass Empfängerverhalten an den Benutzer angepasst werden kann.

Auf der Rückseite finden sich sämtliche wünschbaren Ein- und Ausgänge. Neben verschiedenen Netzspannungen akzeptiert der NRD-525 13,8 V Gleichstrom im DX-Camp, Niederspannugns- Timeranschlüsse werden von der eingebauten Schaltuhr umgeschaltet, über ein Relais habe ich darüber Netzstrom geschaltet und konnte damit mein Kassettengerät zur unbeaufsichtigen Aufnahme einsetzen. Die Antennenbuchsen für Langdraht- und niederohmige Koaxantennen sind umschaltbar, je nach eingebauten Optionen werden hier auch der PC oder ein Drucker an den RTTY-Decoder eingestöpselt.

Hochfrequenzmässig durchläuft das Signal nach dem Abschwächer die mit Kapazitätsdioden aufgebauten elektronisch mitlaufende Preselektorstufe und wird nach einem 35 MHz Tiefpass und einer Verstärkerstufe im ersten Mischer auf 70,455 MHz umgesetzt. Nach weiterer Verstärung Umsetzung im zweiten Mischer auf die 2. ZF von 455 kHz. Es folgt der Störaustaster und die ZF-Filterbank, nach dem HF-Notchfilter erfolgt die Demodulation und der Zusatz des internen Trägers zum SSB-Empfang. Die Frequenzaufbereitung geschieht in der PLL-Syntheseschaltung auf 10 Hz genau, die zahlreichen Speicher- und Scan-Funktionen übermitteln ihre Digitalinformationen an diesen Baustein, neben der Frequenz werden in den zweihundert Speicherplätzen auch Betriebsart, Bandbreite, Abschwächer- und AGC-Status mitgespeichert.

Im praktischen Einsatz glänzt der NRD-525 durch seine hohe Empfindlichkeit und die ausgebauten Möglichkeiten der HF-Signal-Nachbearbeitung. Er erlaubt mit schon mit mässig langen Langdrahtantennen erfolgreiche DX-Erlebnisse. Dank der elektronisch mitlaufenden Vorselektion hatte ich nie Probleme mit "Geisterstationen" als Folgen unerwünschter Mischprodukte. Die ZF-Filter in der Standardbestückung vermögen hohen aber nicht höchsten Ansprüchen zu genügen, das WIDE Filter mit 4/10 kHz Breite lässt Störungen von der Nachbarstation mit 5 kHz Abstand passieren, das INTER-Filter führt im AM-Empfang zu muffligem Ton, zum Rundfunkempfang hätte ich mir da ein Zwischending oder ein steilflankigeres 4 kHz-Filter gewünscht. Mit dem Passbandtuning und dem Notchfilter konnte ich solche Störungen meist kontrollieren, das PBT meines diesbezüglich modifizierten Icom R-70 schneidet Störungen einfach schärfer weg. Der Synchrondetektor im AM-Betrieb lässt keine Seitbandwahl zu und ist nicht mit dem Synchrondemodulator des Sony 2001D, des AR-7030 oder dem ECSS-Betrieb des Nachfolgers NRD-535 zu vergleichen. Zum Utility-Empfang ist der NRD-525 dank der beiden schmalen Filter, der kleinen Abstimmschritte und der Speichermöglichkeiten sehr geeignet. Gemäss Berichten kann das Fluoreszenzdisplay zu HF-Störungen von in unmittelbarer Nähe betriebenen Kleinempfängern oder MW-Loopantennen führen.
Was aus dem Radio rauskommt, war immer wieder Stoff langer und auch hitziger Diskussionen, die ich hier nicht noch einmal aufleben lassen möchte. Dass der Ton aus dem eingebauten "Monitor"- Lautsprecher jenseites von gut und Böse und der Einsatz eines externen 4 Ohm- Lautsprechers oder Kopfhörers unabdingbar ist, ist klar. Das Grundrauschen ist beträchtlich, dadurch und aufgrund des muffligen Tons vor allem mit dem mittelweiten AM-Filter ist der stundenlange Rundfunkempfang etwas bemühend, der Collins R-390 mit dem mechanischen Filter liefert in AM einfach den besseren Ton - aber als ausgesprochen vielseitig vom Rundfunk zum TropenbandDX bis zum Utility-Empfang mit Funkfernschreib-Decodierung einsetzbarer Empfänger blieb der NRD-525 lange ungeschlagen und ist auch heute noch ein sehr ernstzunehmender DX-Empfänger.

weitere Lektüre:
d: Test NRD - 525, Werner Kant
d: Die NRD-525 - Story, P.W. Müller, kurier 22 /89
d: Für den anspruchsvollen DXer - NRD-525, Jürgen Bast, kurier 3 / 97
e: WRTH tests the NRD - 525, Jonathan Marks, 1987
e: Wastegunner on a 525, John H. Bryant, fine tuning's proceedings 1988

© Martin Bösch 25.7.1999