Home

Sanyo
Sanyo Electric Co. Ltd., Moriguchi (Osaka)

RP-8880

Sanyo Logo
Reiseempfänger
Portable Empfänger
Stations-Empfänger
Oldie - Empfänger
"Boatanchors"
Militärisches Gerät
 
Barlow Wadley
Blaupunkt
Braun
Grundig
ITT
Japan. Empfänger
Panasonic
Pan Intl.
Philips
Nordmende
Russ. Empfänger
Sangean
Sanyo
Siemens
Sony
Zenith
 
Sanyo
RP-8880
 
Kurzwellenempfang
RTTY - Empfang
 
Empfängerliste
Empfänger - Manuals
Zeitleiste
 
Links
Reparaturen
varia / Copyright
about / Kontakt

überarbeitet am 30.12.2010

Doppelsuper, 10.7 MHz / 455 kHz

Analoganzeige, ca. +/- 5 kHz

AM, SSB (BFO), CW, FM (UKW)

LW, MW, KW 1.6 - 30 MHz, UKW

Selektivität -6 dB/ -50 dB
AM 6.0 / 15 und 7.0 / 18 kHz

Sensitivität5 MHz
AM 3,1 uV

RF-Gain


Service Manual
Wenn schon Rainer Lichte im Testbericht vor dreissig Jahren geschrieben hat: "Das uns zur Verfügung gestellte Testgerät war in schlechtem Zustand...." - so will es mir auch nicht besser ergehen: Sämtliche drei Geräte, welche ich in Händen hatte, funktionierten nicht so, wie sich der Hersteller das wohl vorgestellt hatte, bei allen liess sich mit einiger Mühe der Lang- und Mittelwellenbereich zum Leben erwecken, brauchbaren Kurzwellenempfang konnte ich mit keinem der drei Geräte realisieren.
Die meisten Schalter knacken und krachen und lassen sich mit Tunerspray einigermassen in Ordnung bringen, das ganze Chassis erscheint mechanisch nicht sehr stabil, so dass Manipulationen an einem Schalter infolge von Kontaktstörungen zu starken Signalschwankungen führen, in den Kurzwellenbereichen war - wenn überhaupt - dann nur mit grossen Schwierigkeiten ein Signal zu empfangen, das Signal des Eichmarkengebers in der Regel aber vorhanden.
Falls jemand in meiner Umgebung sich einmal der Herausforderung stellen möchte, einen RP-8880 abzugleichen und auf die Originalspezifikationen zu bringen, so möge er sich bei mir melden, als Nicht-Techniker traue ich mich nicht so recht daran...

Das Kunststoffgehäuse des optisch sehr imposanten Empfängers ist zu beiden Seiten mit Metall - Schutzbügeln und einem Traggriff sowie einer drehbaren (nicht abschaltbaren) Ferritantenne für LW und MW ausgestattet, daneben finden sich zwei Teleskopantennen. Das 48 x 24 x 15 cm messende Gerät bringt 4,5 kg auf die Waage.

Auf der linken Seite der Frontplatte finden sich oberhalb des Lautsprechers der Schalter für Skalenbeleuchtung und der Hauptschalter; in einem vertikalen Feld von Bedienelementen gleich daneben unter den Schaltern für AFC und dem Umschalter für das Signalstärkemessinstrument der als wenig störanfälliger Drehregler ausgeführte Lautstärkeregler und die ungleich mehr anfälligen Schiebepotis für Bässe und Höhen.
In der Mitte der Bedienelemente auf der rechten Frontplattenseite finden sich die Frequenzskalen für Lang-, Mittel- und Grenzwelle sowie UKW zur Linken und die fünf Kurzwellenbereichsskalen zur Rechten des Signalstärkeinstruments, eine punktförmige kleine LED zeigt den jeweils aktiven Frequenzbereich an. Die Abstimmknöpfe sind jeweils unter den Skalen lokalisiert, der grosse Abstimmknopf in der Mitte, der von - 30 kHz bis + 130 kHz bezeichnet ist, bedient die Feinabstimmung. Ähnlich wie beim Panasonic RF-2200 oder bei Sony's ICF-5900W kann damit eine Frequenz theoretisch mit guter Genauigkeit aufgesucht werden (so es denn funktioniert...). Der BAND SELECTOR in der Mitte schaltet die Frequenzbereiche auf den beiden Skalen um, die Aufteilung ist klar strukturiert und bedienungsfreundlich.
In einem zweiten vertikalen Bereich von Bedienelementen auf der rechten Seite finden sich von oben der Schalter für den Eichmarkengeber, die Antennenanpassung und der RF Gain - Regler, welcher üblicherweise am rechten Anschlag auf Maximum stehen sollte. Der BFO - Schalter aktiviert den BFO für den CW und Einseitenbandempfang, die Tonhöhe kann mit dem PTICH CONTROL Regler gleich darunter eingestellt werden. Ein technisch sehr anfälliger Schalter ist der Bandbreitenumschalter WIDE/NARROW, bei schlechtem Kontakt kann der Signalpegel so stark abfallen, dass nichts mehr hörbar ist, eine Berührung an diesem Schalter kann bei Kontaktstörungen zu lautem Krachen und Knacken führen.

Auf der linken Geräteschmalseite findet sich der Netzeingang und ein 12 Volt- Eingang, der Empfänger kann auch mit 8 UM-1 Batterien betrieben werden, auf der Rückseite eine DIN-Tonbandbuchse und die Aussenantennenanschlüsse.

In den Kurzwellenbereichen arbeitet der Empfänger als Doppelsuper, mit den Zwischenfrequenzen von 10,7 und 455 kHz liessen sich billige Standardbauteile einsetzen und die UKW-Zwischenfrequenzen im Doppelsuperkonzept mitnutzen. Zwischen den Kurzwellenbereichen 2300 - 5950 / 5950 - 6200 / 6200 - 10000 kHz und 11700 - 20000 / 20000 - 30000 kHz liegt aufgrund der Zwischenfrequenz von 10,7 MHz eine Empfangslücke. In den LW / MW / Grenzwellenbereichen arbeitet der RP-8880 als Einfachsuper. Im Eichmarkengeber arbeitet ein 4 MHz - Oszillator mit einem entsprechenden Frequenzteiler für 1 MHZ, 0,1 MHz und 10 kHz.

Der Betrieb in den LW/MW/MB - Bereichen ist an sich unkompliziert, die Feinabstimmung auf der Kurzwelle hat es dann aber in sich - der RP-8880 verwendet ein etwas exotisches Tuning - Konzept mit einer Kombination von kalibriertem VFO / Feinabstimmung und Eichmarkengeber: Teleskopantennen ausziehen, Netz anschliessen, Hauptschalter auf ON, Volume etwa auf 4 bis ein deutliches Rauschen hörbar wird. Zum AM-Empfang sollte der RF Gain auf dem Maximum stehen, Bandwidth auf WIDE und der BFO ausgeschaltet sein. Zum Empfang im 49 m Band wird die rechte Bandbereichsgruppe gewählt und mit SW2 das schön gespreizte 49 m-Band ausgewählt, in welchem dank der Bandspreizung ganz schön abgestimmt werden kann. Zur Einstellung einer bekannten Frequenz wird der Feintuningknopf auf 0 gestellt, der Eichmarkengeber auf 100 kHz aktiviert und die Eichmarke auf der nächstunteren durch 100 kHz teilbaren Frequenz aufgesucht, für 6155 kHz wäre das 6,1 MHz. Mit dem BAND SPREAD DIAL Knopf wird dann auf 55 (kHz) eingestellt, das Signal aus Wien sollte hörbar werden. Mit der 10 kHz - Position des Eichmarkengebers kann noch zwischen zwei 10 kHz-Punkten feineingestellt werden, diese Position ist aber in der Regel ziemlich praxisfremd. In den höheren Frequenzbereichen können die dünnen Signale des Eichmarkengebers kaum mehr wahrgenommen werden, zudem wird die Zuordnung auf die korrekte 100 kHz - Marke zu einem Ding der Unmöglichkeit, wenn man sich 30 MHz nähert.

Zum Aufsuchen einer Station auf einer bekannten Frequenz mag diese Anordnung nach einiger Gewöhnung noch einigermassen genügen, kaum möglich ist es, damit die Frequenz einer unbekannten Station mit ausreichender Genauigkeit zu bestimmen, man muss versuchen, sich von einer bekannten Frequenz "durchzuhangeln" ... Offenbar wurde es dem gewiegten Hörer schon mit der originalen in schlechtes Deutsch übersetzten Bedienungsanleitung schwer gemacht, den Abstimmvorgang korrekt nachzuvollziehen - in den Loglisten ist der RP-8880 seinerzeit kaum einmal als hautpsächlich eingesetzter Hobbyempfänger aufgetaucht.

Zusammenfassend verfolgt der Sanyo RP-8880 mit der Kombination von Eichmarkengeber und VFO ein eigenwilliges und aus heutiger Sicht völlig überholtes Bedienkonzept, eine zufriedenstellende Abstimmgenauigkeit lässt das Gerät vor allem in den höheren Frequenzbereichen (vielleicht mit Ausnahme des gespreizten 49 m - Bandes) vermissen, die Frequenzstabilität ist schlecht und die keramischen ZF-Filter trennen genauso schlecht. Zusammen mit der offenbar bedenklichen Fertigungsqualität und dem auf einen billigen Preis ausgerichteten Empfängerkonzept und Bauteileauswahl kag trotz des ansprechenden Äusseren bei mir keine Begeisterung für den RP-8880 aufkommen. Sanyo konnte in der Folge nie ins Geschäft mit hochwertigen Weltempfängern einsteigen und zum gleichen Preis kamen wesentlich bessere Empfänger auf den Markt - so bleibt der Sanyo RP-8880 heute für mich weiterhin eine technische Herausforderung, das Geld für das Gerät ist höchstens im Falle eines absoluten Flohmarkt - Schnäppchenpreises gut investiert. Aber man möchte in der Empfängersammlung manchmal auch die Entwicklungs - Flops dokumentieren...

© Martin Bösch, 30.12.2010