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Testbericht AR 3030 © ADDX

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AOR AR3030
 
Empfängerliste

überarbeitet am 24.3.2002

AOR AR-3030: Stärken und Schwächen

Doppelsuper, ZF 45 MHz, 455 kHz

Digitalanzeige 10 Hz

AM, USB/LSB, CW/Data, FM-n

Empfindlichkeit SSB < 0,5 uV

Selektivität -6 dB
2,4 kHz, 6 kHz

RF-Gain, Abschwächer 2x, AGC 2x, NB

100 Speicher, RS232-Schnittstelle

Dies soll kein neuer Test des AR-3030 sein - die gab es in zahlreichen einschlägigen Zeitschriften schon - sondern vielmehr ein Erfahrungsbericht, der nach mehrmonatigem Umgang mit dem Gerät seine Stärken, aber auch einige Schwachpunkte beleuchten soll, die in bisherigen Tests keine Erwähnung fanden. Vielleicht läßt sich hierdurch der ein oder anderen Enttäuschung vorbeugen, die durch falsche Erwartungen an den Empfänger geweckt werden kann. Betrieben wurde der AR-3030 zusammen mit einem Lowe - Lautsprecher SP-150, der nicht nur über ein Notchfilter verfügt (beim AOR hat man darauf wohl aus Kostengründen verzichtet), sondern auch über einen eingebauten 10 Watt-Verstärker, der die ansonsten etwas mickrige Audioqualität des Empfängers erheblich verbessert. Als Antennen dienten eine MTA mit Vorverstärker und die Grahn GS2 mit der neuen ML-1-S-Loop; beide waren über einen Dierking - GD-73 - Dualschalter mit dem AR-3030 und einem NRD-525 verbunden, der als Vergleichsgerät fungierte. Auch für den NRD stand ein externer Lautsprecher (NVA-88) zur Verfügung.

Um eines vorweg zu nehmen: Die vielgerühmten Rockwell-Collins-Filter des AR-3030 - zusätzlich zu dem serienmässigen 6-kHz-Filter war das Gerät mit dem optionalen 2,5-kHz-Filter dieses Herstellers bestückt - liefern im Vergleich zum NRD-525 meiner Meinung nach nur auf SSB eine hörbar bessere Signalqualität. Auf AM bietet der NRD trotz etwas höherem Rauschpegel bei stärkeren Sendern generell einen besseren Empfang, der subjektiv zum Teil auf die bessere NF-Qualität zurückzuführen sein mag. Bei schwachen Sendern zieht der AOR gleich, da hier das durch den DDS-Synthesizer bedingte geringere Rauschen dieses Empfängers stärker zum Tragen kommt. Der Synchrondetektor des AOR verbessert in manchen Fällen nochmals die Empfangsqualität, da er selektivem Fading entgegenwirkt. Leider handelt es sich bei diesem Synchrondetektor um eine "Billiglösung", da er nicht die Wahl des weniger gestörten Seitenbandes gestattet; hier hat AOR ganz sicher am falschen Ende gespart. Er kam deshalb auch nur selten zum Einsatz. Im häufig benutzten ECSS-Mode hingegen verbessert sich die Signalqualität in der Regel enorm, hier ist der AR-3030 dem NRD dann überlegen, wenn die Station einigermassen klar hereinkommt oder sich ein vorhandener Störer nur auf einem Seitenband befindet. Sind beide Seitenbänder gestört, ist der NRD durch sein ZF-Notchfilter und Paßband-Tuning im Vorteil. Zu den Collins-Filtern ist allgemein zu sagen, daß deren auf dem Papier erstklassige Formfaktoren durch unzureichende Abschirmung und Entkopplung der Zwischenfrequenzstufen im Gerät nicht hundertprozentig ausgenutzt werden - im Klartext heisst das, daß die Trennschärfe des Empfängers nicht so gut ist wie die Filterwerte dies versprechen. Dies wurde im übrigen auch beim Test des Gerätes im WRTH 1995 festgestellt. Die Abschirmung der Bauteile im NRD ist hingegen generell vorbildlich.

Stetes Ärgernis beim AOR war der VFO mit seiner "teigigen", unpräzisen Abstimmung. Dreht man den Knopf um einige Hertz aufwärts und dann wieder zurück, befindet sich der VFO nicht mehr in der ursprünglichen Ausgangsstellung (durch die Fingermulde leicht zu überprüfen). Darüber hinaus neigt der VFO zum "Springen": beim langsamen Drehen des Abstimmknopfes nach rechts oder links verändert sich die Frequenz nicht immer kontinuierlich, sondern springt mitunter ein, zwei kHz in die entgegengesetzte Richtung. Hierbei mag es sich durchaus um einen Individualfehler handeln. Dennoch: der hochpräzise, seidenweiche VFO des NRD ist vergleichsweise "eine Wucht"!

Der AOR bietet erfreulicherweise auf SSB und CW die Möglichkeit des Paßband-Tunings. Die Durchlaßkurve der ZF-Filter läßt sich hierbei nach Drücken einer Tastenkombination mit dem BFO-Regler verschieben, um eventuelle Störer auszublenden. Eigentlich sollte man erwarten, daß sich der BFO bei dieser Abstimmart in Mittelstellung auf Schwebungsnull befindet und man dann durch Drehen des Knopfes in die eine oder andere Richtung die Filterkurve verschieben kann. Weit gefehlt! Man muß, wie im Handbuch beschrieben, zuerst den VFO um ein oder zwei kHz verstimmen und dann den BFO-Regler solange drehen, bis man wieder etwas versteht. Ein überaus umständliches Verfahren im Vergleich zum NRD, dessen Paßband-Tuning zudem auch in AM funktioniert.

Ich hatte mir den AOR hauptsächlich wegen seiner mutmasslich besseren Empfangsleistung auf Lang- und Mittelwelle zugelegt. Der NRD ist ja in diesem Bereich bekanntermassen etwas unterbelichtet. Umso größer war die Überraschung, daß der auf dem Papier in diesem Frequenzbereich so viel unempfindlichere NRD seinem Kontrahenten auf Mittelwelle eindeutig überlegen war. Schwache Stationen, die der NRD noch in passabler Qualität wiedergab, gingen beim AR-3030 im Rauschen unter. Inwieweit die IP-Plus-Modifikation von Bogerfunk die Empfindlichkeitswerte des AOR in diesem Bereich verschlechtert, konnte nicht beurteilt werden, da kein unmodifiziertes Gerät zum Vergleich zur Verfügung stand. Doch es kam noch schlimmer: Der Versuch, mit dem AR-3030 eine NAVTEX-Station auf 518 kHz zu empfangen, wurde durch sehr starke Brummstörungen, verursacht vom Netzteil des AOR, zunichte gemacht. Fazit: zwischen 30 und 540 kHz ist ein Empfang mit dem mitgelieferten Netzteil nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Dies ist ein gravierender Mangel, auch wenn sich dieser durch den Einbau geeigneter Kondensatoren im Netzteil beheben läßt. Es kann aber nicht Aufgabe des Kunden sein, ein Netzteil erst modifizieren zu müssen, um mit dem Gerät Radio hören zu können. Weitere Kritikpunkte am AOR: Das S-Meter ist lobenswerterweise analog, allerdings ist seine Genauigkeit bestenfalls als "Schätzeisen" zu gebrauchen. Der eingebaute Antennenvorverstärker lässt sich in seiner Wirkung nur erahnen. Einen Störaustaster sucht man ebenso vergebens wie einen Notchfilter oder eine Uhr. Das Gerät ist mit 100 Speichern ausgestattet, doch diese funktionieren nach dem "Tiefkühlprinzip", d.h. der Speicherinhalt wird eingefroren. Will man eine gespeicherte Frequenz verändern, muß man erst die VFO-Taste drücken. Die Speicher des NRD sind hingegen frei abstimmbar. An sich zu begrüßen ist die Möglichkeit, per Tastatur nicht nur Frequenzen, sondern auch vorprogrammierte Rundfunk- und Amateurfunkbänder aufrufen zu können. Warum das Gerät aber bei Eingabe des 1 1-m-Rundfunkbandes beharrlich auf 26.965 kHz springt, bleibt unergründlich. Ironischerweise ist diese Fehlprogrammierung der einzige Wert, der sich nicht intern korrigieren läßt. Alle übrigen - richtig einprogrammierten - Bandgrenzen lassen sich vom Benutzer, so er dies will, auf die unmöglichsten Werte verändern.

Diese Kritikpunkte sollen keine Abwertung des soliden, sauber verarbeiteten Empfängers darstellen. Andererseits repräsentiert das Gerät mit den eingebauten Modifikationen (IP-Plus und Zusatzfilter) einen Wert von rund DM 2300.-, das ist eine ganze Menge Geld. Dafür bekommt man unter anderem auch einen filtermodifizierten Kenwood R-5000, zwar ein "Oldie" ohne digitale Frequenzsynthese und mit marginal schlechterer Trennschärfe, dafür aber bessere Möglichkeiten zur Störbefreiung (u.a. Notchfilter, ZF-Shift und mehrfach regelbarer Noise Blanker serienmässig) und überlegener Audioqualität. Für den AOR empfiehlt sich grundsätzlich der Anschluß eines externen Lautsprechers, da der eingebaute Lautsprecher zum Scheppern neigt. Ideal ist eine Zusatzbox wie der Lowe SP-150 mit eingebautem Verstärker, denn das Netzteil des AR-3030 ist ziemlich schwachbrüstig. Der SP-150 schlägt indes mit nochmals DM 600.- zu Buche. Dies hebt den AR-3030 dann in die Preisregion eines NRD-525, der erheblich aufwendiger aufgebaut und unter dem Strich für mich auch das eindeutig bessere Gerät ist. Wer sich den AOR nur aufgrund der Collins-Filter kauft, wird möglicherweise enttäuscht sein. Die Stärken des AR-3030 liegen in seiner kristallklaren SSB-Wiedergabe und seiner Kompaktheit, die ihn für DX-Expeditionen prädestiniert, wenn auch die Möglichkeit seines Batteriebetriebes eher theoretischer Natur ist - ein Akkusatz reicht gerade mal für eine halbe Stunde DX.

Ein Tip zum Schluss für Schnäppchenjäger: In den USA ist das Gerät bei verschiedenen Händlern schon ab 780 Dollar erhältlich, einschliesslich 2,5-kHz-Collins-Filter - das ist die Hälfte des deutschen Marktpreises! Ein Direktimport ist also durchaus in Erwägung zu ziehen. Auf IP-Plus-Modifikation (Verbesserung des Großsignalverhaltens), die exklusiv bei Bogerfunk angeboten wird, muß man dann allerdings verzichten.

© Enzio Gehrig, ADDX kurier 12 / 95