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Commtel

Testbericht COM 305 - © kurier 20 / 1997

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Commtel
Com 305
 
receiver list

überarbeitet am 23.7.2010

Single Conversion

Digital display, 5 kHz

AM, FM (UKW)

FM, MW, SW 2,3 - 6,25 and 7,1 - 21,8 MHz

30 Memories

Im Bereich der preiswerten digitalen Kurzwellenempfänger tauchen immer wieder neue Variation mit teilweise überraschenden Empfangsqualitäten auf Viele dieser Geräte stammen aus Ostasien und werden vom gleichen Hersteller mit veränderter Gerätefront und unterschiedlicher Namensgebung vertrieben. Der neuerdings unter anderem über den Technischen Clubdienst der ADDX zu beziehende Commtel COM 305, der 12 Kurzwellenbänder sowie Mittelwelle und UKW empfängt, bildet dabei mit einem Preis von knapp unter 150 DM eine weitere Alternative, die aber eine Reihe von technischen Raffinessen aufweist, die in dieser Preisklasse keinesfalls selbstverständlich sind.

Mit den Maßen 185 x 120 x 36 mm (B x H x T) handelt es sich um einen kompakten Reiseempfänger, der durch seinen dynamischen Lautsprecher von 77 mm Durchmesser einen angenehmen Klang bietet. Das Gewicht ohne Batterien beträgt gerade einmal 510 Gramm. Der Frequenzbereich auf UKW liegt zwischen 87,5 und 108 MHz (in 100 oder 200 kHz-Schritten), auf Mittelwelle zwischen 531 und 1710 kHz (in 9 bzw. 10 kHz-Schritten) und auf Kurzwelle von 2300 kHz bis 21800 kHz (in 5 kHz- Schritten). Bei der Kurzwelle besteht eine Frequenzlücke zwischen 6250 kHz und 7100 kHz.

Die Ausstattung des Gerätes liegt bei diesem Preis bereits über dem Durchschnitt. So wird eine direkte Frequenzeingabemöglichkeit angeboten, die durch die Alternativen des automatischen Suchlaufs und der manuellen Einstellung über Wipptasten ergänzt wird. Ein Verriegelungsschalter (Lock) sorgt dafür, daß die zuletzt eingestellte Frequenz nicht unbeabsichtigt verändert werden kann. Das Angebot an Speicherplätzen ist angenehm groß. Pro Wellenbereich (KW, MW, UKW) können 10 Stationen, also insgesamt 30, gespeichert werden. Die einzelnen Speicher lassen sich dann im Suchlaufbetrieb durchscannen. Ein weiteres, nicht unbedingt selbstverständliches Ausstattungsmerkmal in dieser Geräteklasse ist die für Reisende interessante Umschaltbarkeit des Mittelwellen-Rasters. Hierbei kann zwischen 9 und 10 kHz geändert werden. Doch auch eine zweite Umschaltung ist damit verbunden und das ist wirklich außergewöhnlich. Die Frequenzsprünge auf UKW werden bei der insbesondere für den amerikanischen Kontinent relevanten 10-kHz-Stellung für Mittelwelle gleichzeitig von 100 kHz auf 200 kHz umgeschaltet. Dies entspricht zwar in vielen Bereichen Nordamerikas der recht konsequent eingehaltenen Praxis, zwischen zwei Ortssendem zumindest 200 kHz, wenn nicht sogar 400 kHz Abstand zu lassen, doch geht dabei so mancher nur etwas weiter entfernte 50- oder 100-kW-Sender unter. Für ein Reisegerät, das Fernempfangs- ambitionierte ansprechen soll, eine etwas merkwürdige Einrichtung. über die Kopfhörerbuchse ist UKW-Empfang im übrigen in stereo möglich. Für den eigentlichen Fernempfang im AM-Bereich, aber auch in allen Gebieten, in denen es nicht zu übersteuerungen durch nahegelegene Sender kommt, sollte der seitlich oberhalb der 3,5 mm Kopfhörer-Klinkenbuchse eingebaute Empfindlichkeitsschalter (SENS) auf Stellung DX verbleiben.
Die Stromversorgung kann alternativ über zwei C-Baby-Zellen oder einen Netzadapter für 3 V, 300 mA -Negativkontakt in der Mitte - erfolgen. Das Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Nützlich ist schließlich die Sleep-Taste. Nach deren Betätigung schaltet sich das Gerät nach 60 Minuten trotz fehlender Uhr ab.

Empfangspraxis
Nach Einschalten des Empfängers sollte bei KW- oder UKW Betrieb zuerst einmal die Teleskopantenne voll ausgezogen werden. Für den Mittclwellenbetrieb ist eine Ferritantenne eingebaut, die im Betrieb gute Richt irkung zeigt. Auf der Rückseite des Gerätes ist ein aufklappbarer Ständer versenkt angebracht, mit dem das Gerät zur besseren Handhabung in eine anwenderfreundliche Schräglage kommt.

Nach Einschalten der Kurzwelle überrascht ein transparenter und kräftiger Klang, der, je nach Stellung des Klangreglers für Musik oder Sprache ein sehr ausgewogenes Hörbild präsentiert. Die Empfindlichkeit ist für ein PortabeIgerät dieser Preisklasse ausgesprochen hoch. So können im 90- und 60m-Tropenbandbereich fast alle mit einem Vergleichsgerät von Panasonic (RF B-65) ,gehörten stärkeren Stationen auch mit dem Commtel verständlich empfangen werden. Bis hoch in den 15 MHz-Bereich bleibt die hohe Empfindlichkeit erhalten, eine Seltenheit im Niedrigpreisangebot. Für den sporadischen Fernempfangsinteressierten ist der Empfänger dadurch genauso nützlich wie für den Programmhörer, der "sein" Kurzwellenprogramm an verschiedenen Plätzen der Wohnung hören möchte. Den Mittelwellenempfang charakterisiert eine ebenfalls recht hohe Empfindlichkeit, die - gepaart mit guter Richtwirkung der eingebauten Ferritantenne - auch Sender über den sogenannten Nahbereich hinaus tagsüber ohne allzu starkes Rauschen empfangbar macht. Abends und nachts kommt es trotz der ordentlichen Empfindlichkeit nicht zu Kreuzmodulationen. Im UKW-Bereich ist die genaue Ausrichtung der dreh- und schwenkbaren Teleskopantenne für die Grenze zwischen Empfang und Nicht-Empfang entscheidend. Bei genauer Positionierung lassen sich auch entferntere Stationen sauber aufnehmen. Resultat: Ein neuer leistungsstarker Reiseempfänger, der zwar nicht höchsten DX-Ansprüchen, aber denen von Gelegenheitshörern gerecht wird.

© Uwe Bräutigam, kurier 20 / 1997