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ERF - Empfänger

Melectronic MR-210

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überarbeitet am 23.7.2010

ERF - Empfänger / Melectronic MR 210
digitaler Empfang für den schmalen Geldbeutel.

Einfachsuper,

Digitalanzeige 5 kHz

AM, FM (UKW)

FM, LW, MW, SW 5,9 - 15,5 MHz

Attenuator, 20 memories, LED tuning indicator

In den Schweizer Warenhäusern wird für 98.- sFr. (resp. 66 Euro) ein kleines Reiseradio verkauft, welches neben FM, MW und LW auch Kurzwellenempfang bietet; dasselbe Gerät wird auch vom Evangeliumsrundfunk angeboten.Von der Warenhauskette Migros wird das Gerät unter der Bezeichnung Melectronic MR - 210 verkauft, auf der englischsprachigen Bedienungsanleitung findet sich die Angabe AS - 138, es ist sicher fernöstlicher Provenienz, der Herstellungsort wird aber nicht angegeben.

Das Gehäuse ist in Schwarz gehalten, es hat mit 18 x 4 x 12 cm etwa Taschenbuchformat, die Frontplatte wird dominiert von einer LCD - Anzeige, darunter fünf halbkreisförmig angeordnete Speichertasten, links der Lautsprechergrill. An der rechten Schmalseite finden sich die Schieberegler zum Einschalten, zur Bandbereichswahl und Lautstärkeregelung.
Das Gerät wird mit drei UM 3 - Batterien betrieben, ein Netzgeräteanschluss für eine Eingangsspannung von 4,5 V ist vorhanden. Beim Einschalten erscheint im Display die Empfangsfrequenz, der Bereich muss mit einem Schiebeschalter vorgewählt werden. Abgestimmt wird allein mit Tipptasten, die auch eine Suchlauffunktion haben, durch erneutes Antippen wird der Suchlauf gestoppt und manuell schrittweise geschaltet. Abstimmschritte sind auf Kurzwelle 5 kHz, auf Mittelwelle 9 kHz,auf der Langwelle 1 kHz und auf UKW 50 kHz, wobei jeder Eingabeschritt von einem elektronischen Quittierungston begleitet wird.

Im praktischen Gebrauch wird einem schon rasch nach dem Einschalten bewusst, dass man es mit einem Einfachsuper zu tun hat, bei dessen Aufbau wacker gespart werden musste: die Empfindlichkeit lässt ebenso zu wünschen übrig, wie die Grosssignalstabilitaet. Die grossen europäischen internationalen Dienste sind regelmässig zu hören, Signale unter S = 3 verschwinden aber regelmässig im Synthesizereigenrauschen. Ebenso scheint das Gerät mit billigen Filtern bestückt zu sein, wohl um die 15 kHz Breite, in dicht belegten Bändern ist fast dauernd ein 5 kHz - Pfeifen zu hören. Ein Anschluss einer Drahtantenne mag tagsüber die Empfindlichkeit verbessern, das Gerät reagiert aber abends mit Uebersteuerungseffekten, dass kaum noch etwas verständlich ist.

Gewöhnungsbedürftig ist, dass in der Anzeige die letzte Null unterdrückt wird, so dass eine Frequenz von 6100 kHz als 6,10 MHz angezeigt wird.Der Empfangsbereich umfasst auf Kurzwelle leider nur 5.900 - 15.500 MHz, womit das Tropenband wie auch das 16 - 11 m-Band nicht abgedeckt ist. In jedem Wellenbereich verfügt das Gerät über fünf Speicher, ich habe jeweils eine Frequenz im 49m-, 4lm-, 31m-, 25m- und 19m-Band belegt, um mit den Speichertasten von Band zu Band springen zu können. Zwischen den Bändern tauchen regelmässig Geisterstationen 900 kHz unter der Nominalfrequenz auf, Folge der mangelhaften Spiegelfrequenzunterdrückung.

Das Radio ist mit einer Quartzuhr im 24 Stunden - Format mit Weckfunktion ausgerüstet. Die Weckzeit wird mit einem Tastendruck aktiviert, man kann sich mit Radio oder einem scheusslichen elektronischen Warnton aus dem Schlaf reissen lassen. Eine Sleep - Funktion lässt das Gerät nach 59 min. automatisch verstummen. Im Inneren des in konventioneller Bauweise aufgebauten Gerätes finden sich zwei Platinen, eine trägt einen SONY - Empfängerbaustein , ein IC, welches wohl auch in den Kassettengeräten mit Digitaltunern von verschiedenen Herstellern eingesetzt wird, die zweite Platine den Anzeigebaustein.

Nun zum praktischen Eindruck: dieses Kurzwellenempfängerchen zum Sparpreis macht spürbar und hörbar, dass gespart werden musste, zum Preis von nur 100.- sFr. macht es aber die grossen internationalen Stationen gut hörbar und kann auch auf Reisen und Ausflügen rechte Dienste leisten. Grosser Pluspunkt ist der Digitaltuner, trotz all seiner Nachteile wie Synthesizergeräusch und begrenztem Abstimmbereich / Abstimmschritten - er macht doch für viele, die Bandbelegung in den einzelnen Kurzwellenbändern nicht auswendig kennen, die Kurzwellen etwas zugänglich. Die Sendersuche wird auf einem Analogempfänger doch so oft zum Rätselraten, das in einer Enttäuschung endet: man ist nie sicher, ob eine Station aufgrund der Ausbreitungsbedingungen nicht zu empfangen ist, oder man falsch sucht und eine falsche Frequenz beobachtet. Auch ist man oft dankbar, bei Beobachtung einer Lokalstation, deren Frequenz in einer vorliegenden Senderliste nicht angeführt wird, diese digital angezeigt zu erhalten; in den Logs oder dem Empfangsbericht kann dann die Frequenz mit Sicherheit angegeben werden. Und die Speichermöglichkeit macht das Gerät zu einer Geschenkmöglichkeit für technisch nicht versierte Angehörige: auch meine Grossmutter kann den ERF finden, wenn sie nur die Taste "2" zu drücken braucht.

Dem Gerät würde man akzeptable Filter, ein beleuchtbares Anzeigedisplay und einen Aufstellbügel wünschen,das Gerät ist auf der Schmalkante aufgestellt doch erheblich gefährdet,umzukippen. Ebenso ist eine verständliche Bedienungsanleitung wünschbar, da die mitgelieferte rudimentär und schlecht übersetzt ist - das Gerät würde dann aber gewiss das Doppelte kosten...

Offenbar gab es das Gerät mit verschiedenen Frequenzbereichen, einige Jahre später kam mir ein ERF-Empfänger in die Finger, bei dem der Langwellenbereich fehlte, dafür mit SW 1 + 2 zwei Kurzwellenbereiche gewählt werden konnten, von 3,2 - 7,4 und von 9,5 - 17,8 MHz, gewissermassen eine "internationale" Version.

© Martin Boesch, 6. 11. 1999