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Grundig, Fürth

Satellit 650

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überarbeitet am 19.10.2010

Testbericht Satellit 650 - © weltweit hören 6 / 1986

For a English language review refer to the Grundig Satellit 600 page, is this set is technically almost identical, only minor mostly cosmetic changes from Satellit 600 to 650 occured.

Als Grundig vor rund zweieinhalb Jahren den Satellit 600 auf den Markt brachte, brach das Haus mit seinem traditionellem Konzept des Trommeltuners. Der Mikroprozessor hielt Einzug in die erfolgreiche Empfängerserie. Mit dem Nachfolgemodell 650 wird nun der bewährte Weg der Modellpflege fortgesetzt.
Im äußeren Erscheinungsbild fällt die Neugestaltung des Tastenfeldes auf: Farbkodierung, zusätzliche Beschriftung und die Aufgliederung in Funktionsgruppen sollen die Bedienung erleichtern. Neu ist auch die Buchse zum Anschluß einer LW-Peilantenne. Ansonsten wurde die technische Ausstattung beibehalten .

Die Schaltung des KW-Teils
Der Satellit 650 weist ein modernes Empfängerkonzept auf nach dem Prinzip der Aufwärtsmischung (Up-Conversion). Die erste Zwischenfrequenz beträgt 54,5 MHz, wodurch erreicht wird, daß Spiegelfrequenzen weit außerhalb des Empfangsbereichs von 1,6 bis 30 MHz liegen und damit nicht in Erscheinung treten können.

Zur Erhöhung der Großsignalfestigkeit durchläuft das Empfangssignal eine aufwendig ausgelegte Vorselektion bestehend aus zwei abstimmbaren Resonanzkreisen, die von Hand oder durch einen Mikroprozessor gesteuerten Motor eingestellt werden — ein für diese Geräteklasse sicherlich außergewöhnliches Merkmal. Die nötige Empfindlichkeit wird durch eine in die Vorselektion eingebettete HF-Verstärkerstufe erzielt. Interessantes Detail am Rande: Bei Benützung der eingebauten Teleskopantenne ist der Eingang durch eine Glimmlampe gegen Überspannungen geschützt, was vor allem beim Betrieb auf Schiffen in unmittelbarer Nähe eines Senders von Bedeutung ist.
In den beiden Mischern wird der bewährte integrierte Schaltkreis SO 42 P eingesetzt. Das Oszillatorsignal des ersten Mischers stammt vom digitalen Frequenzsynthesizer, das des zweiten Mischers von einem Quarzoszillator. Die erste Zwischenfrequenz ist mit zwei Quarzfiltern bestückt. Auf der zweiten Zwischenfrequenz von 450 kHz findet in Bandbreitenstellung "Schmal" ein keramisches Filter Verwendung, das in Stellung "Breit" überbrückt wird. In der Stellung "Superbreit" wird bloß die Bandbreite des NF-Verstärkers erweitert. In allen drei Positionen ist ein Interferenzfilter wirksam, das der jeweiligen HF-Bandbreite angepaßt ist.
Bei SSB-Empfang werden zusätzlich separate dreistufige Keramikfilter für LSB und USB verwendet, wodurch das Umschalten zwischen unterem und oberem Seitenband bei gleichbleibender Empfangsfrequenz ermöglicht wird (ECSS-Betrieb). Die Feineinstellung der BFO-Frequenz erfolgt durch eine Variometerspule, was sich bei Betrieb auf Schiffen positiv auf die Stabilität des SSB-Empfangs auswirken dürfte.
Alles in allem weist der Satellit 650 eine fortschrittliche Signalaufbereitung auf mit zahlreichen Schaltungsprinzipien, die man sonst nur bei wesentlich teureren professionellen Empfängern antrifft .

Die Handhabung des Empfängers
Aufgrund der Tatsache, daß gegenüber dem Vorgängermodell kaum Veränderungen eingetreten sind, möchte ich dem Leser eine erschöpfende Aufzählung aller Bedienungselemente ersparen und mich auf die während des mehr als sechswöchigen Testbetriebs gewonnenen Eindrücke beschränken.

Die Front ist übersichtlich gestaltet, die Anordnung der Bedienungselemente erweist sich als zweckmäßig und vor allem nicht zu eng: Ein Vorteil der doch recht großen äußeren Abmessungen des Geräts. Gewöhnungsbedürftig erscheint mir der Netzschalter. Entgegen der üblichen Konvention ist er zum Einschalten nach unten zu kippen.
Das in Funktionsgruppen unterteilte Tastenfeld ist ausreichend beschriftet, so daß dessen Bedienung auch ohne stundenlangem Studium der Betriebsanleitung gelingt, was man heutzutage nicht von jedem Gerät behaupten kann. Die Eingabe der Daten ist einfach zu bewerkstelligen. Für jeden Programmiervorgang stehen 30 Sekunden zur Verfügung, was sich in der Praxis als mehr als ausreichend erwiesen hat.
Positiv fällt auf, daß die Mikroprozessorsteuerung mit genügend Intelligenz ausgestattet wurde, um verschiedenartige Eingabeformate zu erkennen. Man kann die Frequenz in kHz oder MHz, mit Null vor dem Dezimalpunkt oder ohne Endnullen hinter dem Dezimalpunkt usw. eingeben. Vermißt habe ich die Möglichkeit eines Scan-Betriebs der 32 Speicherkanäle. Dieser ist aufgrund der mechanisch abgestimmten Vorselektion auch kaum technisch zu realisieren, weil diese ja ständig mitgezogen werden müßte. Für die Praxis wäre eine Art von "elektronischem Notizbuch" sehr nützlich, welches ein "Durchblättern" der Speicherkanäle auf dem Display gestattet, ohne daß die gerade eingestellte Empfangsfrequenz verändert wird. Dadurch könnte man sich das Anlegen eines schriftlichen Speicherverzeichnisses ersparen. Ferner konnte die Handabstimmung mit dem magnetisch rastenden Drehknopf nicht ganz befriedigen. Daß beim schnellen Drehen das Gerät stumm schaltet, mag zwar einen erzieherischen Wert haben, erweist sich aber für den geübten Hörer als Nachteil, weil ein rasches Absuchen des Bandes dadurch unterbunden wird. Ebenso erfordert ein rascher Frequenzwechsel sehr viel Fingerspitzengefühl, da sich die Abstimmschritte entsprechend der Drehgeschwindigkeit von I kHz auf 11 kHz bzw. 111 kHz vergrößern, und man benötigt einiges Training zum richtigen Dosieren.
Bei SSB-Betrieb machte sich die 1 kHz-Rastung vor allem auf den Amateurfunkbändern unangenehm bemerkbar. Die Schrittweite ist zu groß und die Feinabstimmung des BFOs ist kein taugliches Mittel, um einen komfortablen Suchbetrieb zu ermöglichen.

Ganz hervorragend funktioniert allerdings die Motorabstimmung der Vorselektion. Die Mikroprozessorsteuerung arbeitet äußerst präzise, und ein manuelles Nachstimmen ist auf den höheren Frequenzen überhaupt nicht notwendig. Auf den niedrigeren Frequenzen werden aufgrund der physikalisch bedingten höheren Trennschärfe der Resonanzkreise größere Anforderungen an die Treffsicherheit der Automatik gestellt. Ein geringfügiges Nachstimmen führt bisweilen zu kleinen Signalstärkeverbesserungen, die in der Praxis aber nicht von nennenswerter Bedeutung sind.

Die Empfangsleistung im Praxisbetrieb
Der Satellit 650 verfügt über eine sauber angepaßte eingebaute Teleskopantenne, mit der sich gute Empfangsergebnisse erzielen lassen. Während des Testbetriebs zeigte es sich, daß beim KW-Rundfunkempfang eine etwa 4 Meter hohe, außen montierte Vertikalantenne (Amateurfunk-Groundplane) in vielen Situationen nur unerhebliche Verbesserungen der Signalstärke brachte.
Dank der aufwendigen Vorselektion konnten bei Empfang mit der Teleskopantenne keinerlei Intermodulationsstörungen festgestellt werden. Die Grenzen der Großsignalfestigkeit wurden beim Empfang auf dem 13-m-Band mit der im benachbarten Amateurband resonanten Außenantenne erreicht. Das gesamte Band war nahezu zugestopft und nur ein Umschalten auf die Teleskopantenne konnte Abhilfe schaffen. Hierbei fiel auf, daß auch bei abgeschalteter, aber angeschlossener Außenantenne ein Teil der Energie vermutlich über den Schalter an den Eingang durchgekoppelt wird. Möchte man ausschließlich mit der Teleskopantenne empfangen, muß man die Außenantenne ab klemmen.
Die dreifach umschaltbare Bandbreite ist für Rundfunkempfang ausreichend, um Stationen im 5-kHz-Raster sauber zu trennen, und ermöglicht auch den genußvollen Empfang von Musiksendungen starker Sender. Dabei kommt natürlich auch die für Grundig typische hohe Qualität des NF-Verstärkers zum Tragen.
Für SSB-Empfang sind die Filter zu breit, um auch auf den stark belegten Amateurfunkbändern schwache Stationen empfangen zu können. Überhaupt hat der SSB-Teil trotz des schaltungs- technisch nicht unerheblichen Aufwands in der Praxis eher den Charakter einer Behelfslösung. Unerwartet gut arbeitet der Störbegrenzer, der pulsförmige Störungen nicht sehr hoher Frequenz recht ordentlich unterdrückt und auch als Mittel gegen die sehr starken Umschaltknackse beim Bedienen des Betriebsartenschalters hilfreich ist.
Die Empfindlichkeit des Empfängers ist ausreichend und für den Betrieb mit der eingebauten Teleskopantenne richtig dimensioniert. Bei Verwendung größerer Außenantennen wird in manchen Fällen ein Abschwächer zweckmäßig sein.
Bei SSB-Empfang erfährt das Signal vermutlich bedingt durch das zusätzliche Seitenbandfilter eine nicht unerhebliche Dämpfung, was besonders beim Umschalten von AM auf LSB bzw. USB (ECSS-Beteieb) unangenehm auffällt.

Wenn auch im Mittelpunkt dieses Berichts die KW stehen sollte, möchte ich doch die hervorragende UKW-Empfangsleistung nicht unerwähnt lassen, die in Verbindung mit einem 30-W-Verstärker und dem Zweilautsprechersystem ein unverkennbares Merkmal des Satellit darstellt.

Fazit
Der Satellit 650 ist nicht das, was sich ein Top-DXer unter einem "heissen Eisen" vorstellt, kann aber sicher jeden zufriedenstellen, der internationale Rundfunkprogramme mitverfolgen möchte, ohne auf Tonqualität verzichten zu wollen. Ein weiterer Einsatzbereich, auf den der Satellit zugeschnitten ist, findet sich im einseitigen Seefunk - Dienst (von der Deutschen Bundespost dafür zugelassen), dessen Anforderungen der SSB-Teil ohne weiteres erfüllt. Ganz bestimmt liegen die Stärken dieses Empfängers nicht im Suchbetrieb auf den Amateurfunkbändern.
Zweifellos am besten aufgehoben ist der Satellit 650 in den Händen eines Programmhörers, der ausgerüstet mit Hörfahrplan und WRTH sich via Tipptasten akustischen Zugang zum Weltgeschehen verschafft.

Technische Einzelheiten:
Doppel - Überlagerungsempfänger für die AM - Bereiche (LW, MW, KW)
Ausgangsleistung: 30 W
Wellenbereiche: FM 87,5 - 108 MHz
SW 1600 - 26 100 kHz (Satellit professional 650)
SW 1600 - 30 000 kHz (Satellit international 650)
MW 510 - 1620 kHz
LW 148 - 420 kHz

Abstimmschritte: langsam: AM: 1 kHz - Schritte, FM: 10 Khz - Schritte
schnell: LW 3 kHz- / MW 5 kHz- / SW 11 bis 111 kHz - Schritte / FM 110 kHz - Schritte

Antennen: Ferritstab für LW / MW (150 - 1620 kHz)
Teleskopantenne für KW (1440 mm) und UKW (810 mm)
Anschluss für Aussenantenne für KW / UKW (75 Ohm koaxial), Anschluss für LW - Peilantenne

Anschlüsse für: Netzkabel mit Batterieumschalter, 10 - 16 Volt =, Stereokopfhörer mit 6,3 mm Stecker, Aussenlautsprecher 4 Ohm, Tonbandaufnahme (7 Pol), Aussenantenne (75 Ohm)

Gewicht: 8.5 kg ohne Batterien
Abmessungen (B x H x T) 504 x 242 x 202 mm inkl. Bügel

weitere Lektüre:
d: Koloss ohne technische Sensationen, Jürgen Bast, kurier 15 / 86

© Ernst Vranka, OE 1 EVA, wwh 6 / 1986