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Kenwood / Trio - Kenwood Communications, Tokyo

R - 5000: Testbericht © weltweit hören 4 / 1987

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Kenwood
 
Trio 9R-59 DS
Kenwood QR - 666
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Kenwood R - 5000
 
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überarbeitet am 21.10.2010

Kenwood R - 5000
. . . ein Neuling in der Klasse der halbprofessionellen Kurzwellenempfänger

Dreifachsuper

Digitalanzeige auf 10 Hz genau, 100 kHz - 30 MHz

AM, CW, USB / LSB, FM

Empfindlichkeit SSB < 0.25 uV

Selektivität -6 dB
6 / 2 kHz

S-Meter, Noise Blanker, IF Shift, AGCx2, ATTx3, Notchfilter

100 Speicher,Uhr/ Timer

Seit einigen Wochen kann man ihn in den Auslagen des einschlägigen Fachhandels finden. Klein und handlich und zum Verwechseln dem Transceiver TS 440 S ähnlich. Das wwh-Test-Team Hamburg hatte zwei Geräte zur Verfügung, eines von der i.r.f. (Interessengemeinschaft Rundfunkfernempfang e.V.), die eines der ersten auf dem Markt erhältlichen Geräte über Conrad-Electronic angeschafft hatte; zum zweiten ein gleiches Gerät aus der laufenden Auslieferung von Kenwood selbst.
Mit Absicht nehmen wir Geräte aus der laufenden Produktion und nicht solche aus Null-Serien, da nach unserer Erfahrung Geräte der ständigen Auslieferung, eher eine zutreffende, längere Gültigkeit habende Beurteilung erlauben. Anfängliche Kinderkrankheiten, die zu Fehlurteilen führen könnten, sind dann meistens schon abgestellt.
Der von der i.r.f. erworbene Empfänger war mit der Sprachausgabe und den beiden optionalen AM- und SSB-Filtern ausgerüstet, damit er sich besonders zur Bedienung durch sehbehinderte SWL’s eignet. So hatten wir die Möglichkeit den R 5000 mit und ohne Zusatzfilter beurteilen zu können. Der i.r.f. kam es hauptsächlich auch darauf an, zu erfahren, ob sich das Gerät auch wirklich, wie vermutet, für die Betreuung sehbehinderter Kurzwellenhörer eignet.

Das Gerät selbst erweckt einen soliden und stabilen Eindruck, der sicherlich auch durch das Gewicht von 5,6 kg vermittelt wird. Das Innere verrät professionelle Fertigungstechnik in konventioneller Art (also keinen Steckkartenaufbau) in bekannter, guter Kenwoodqualität.
Zur Schaltung konnten wir nur aus einem Blockschaltbild Informationen erhalten. Die "black-boxes" deuteten uns eine moderne, nach neuesten Erkenntnissen der HF-Aufbereitung angewendete Schaltungstechnik an. Sie ist in den AM, SSB, CW- und RTTY-Betriebsarten als Doppelsuper mit einer 1. ZF von 58,112 kHz und einer 2. ZF von 8.830 kHz ausgelegt—in FM kommt eine 3. ZF von 455 kHz hinzu. Die Verarbeitung des anliegenden Antennensignals erfolgt für den Bereich über 116 MHz in nachgeschalteten Bandpässen, nachdem es einen dreistufig schaltbaren Abschwächer und einen Tiefpassfilter für Empfänge unterhalb 1,8 MHz passiert hat. Die erste ZF enthält zwei relativ breite Filter, die eigentliche Filterung erfolgt dann in der 2. ZF. Hier ist besonders die Möglichkeit der Empfangsverbesserung durch vier nachrüstbare Kristallgitterfilter zu erwähnen. Wer sich auf AM- und SSB-Empfang beschränkt, kann mit den Filtern YK 88A (AM) und YK 88SN (SSB) auskommen. für die CW- und RTTY-Betriebsarten kann man ebenfalls einen 500 Hz und einen 270 Hz schmalen Filter, Bandbreite bei jeweils 6 dB gemessen, nachrüsten. Ein dann so aufgestockter Empfänger hält dann aber auch jedem Empfangsvergleich mit den von Wettbewerbern angebotenen Empfängern stand. Der 2. ZF ist der Störaustaster (NB) zugeordnet. Dieser kann in zwei Stellungen, für normale Störungen wie Zündfunken u. ä. und für Störungen durch das Überhorizontradar, geschaltet werden. Das Notch-(Kerb)-Filter ist dem nachgeschalteten NF-Verstärker zugeordnet. Beide empfangs- verbessernden Zusätze arbeiten einwandfrei und können wesentlich zur besseren Verständlichkeit gestörter Signale beitragen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch die besondere Schaltung der eingesetzten Filter. Diese sind hintereinander-, nicht parallelgeschaltet. Dadurch wird eine wesentlich bessere Dämpfung z.B. von Nachbarkanalstörungen erreicht, da sich die Weitabselektion bei dieser Art von Schaltung wesentlich verbessert.

Im mitgelieferten, derzeit leider nur englischsprachigen Benutzerhandbuch, stellt sich die Frontplatte des Empfängers so dar: Obwohl dem erfahrenen DX’er die Aufschriften schon Erläuterung geben, dazu doch noch einige Anmerkungen. Wir gehen auf der Zeichnung von links oben nach rechts unten und finden so unter dem Ein- und Ausschalter Tasten für die Schaltung der Sprachausgabe, die Zeituhr und den Beleuchtungsregler. Daneben das digitale Anzeigenfeld für die eingestellte Frequenz, mit maximal auf 2 Stellen hinter dem Komma, also auf 10 Hz genau. In AM zeigt sie auf 100 Hz genau an, in FM auf 1 kHz. Darunter sind dann Felder für die Kenntlichmachung eingeschalteter Funktionen, wie Notch, Antennenwahl, Frequenzsperre u. ä. sichtbar. In der rechten oberen Ecke der Schalter für die maximal vorgesehenen S Filterstellungen.. In der Stellung "AUTO" wird das zur jeweiligen Betriebsart am besten passende Filter geschaltet, danach kann man die schmäleren Filterstellungen selbst bestimmen. Rauschsperre und Notchfilter liegen daneben. In der nächsten Bedienungsreihe die Tasten für die Zeitschaltuhr mit insgesamt 6 Funktionen. Die Betriebsartenschalter, von innen —jedoch nicht lesbar — beleuchtet, haben jeweils zwei Funktionen. Zum einen kann man mit ihnen eben die Betriebsart wählen, Zum anderen werden sie zur digitalen Frequenz- und Speichereingabe benutzt. die von links nach rechts in aufsteigender Reihe liegenden Zifferntasten 1 bis O hat man sich nach einer Weile der Benutzung gewöhnt. In der Mitte liegt das griffige Handrad, dessen Schwer- oder Leichtgängigkeit durch ein hinter dem Handrad liegendes Rändelrad eingestellt werden kann. Diese Art der Einstellung ist jedenfalls praktischer, als wenn man dazu im Gerät selbst, oder an der Unterseite diese Einstellung vornehmen kann. Die Bedienungselemente für die beiden VFO’s und Frequenzeinstellung liegen gemeinsam mit den Tasten für die Einstellung der zwei Uhren im nächsten Tastenfeld. Die Drehknöpfe für Störaustaster und Bandbreitenregelung schließen sich an. Buchsen für den Anschluß von Kopfhörer und Cassettenrecorder liegen mit den Bedienungselementen für Kanalbelegung und Suchlauf in der unteren Reihe des Bedienungsfeldes, das durch UP/DOWN-Tasten für MHz-Schritte, Schaltungen für Störaustaster und Kerbfilter sowie den dreistufig schaltbaren (0, 10, 20, 30 dB) Abschwächer ergänzt wird.

Die hier dargestellte Rückseite des Kenwood R 5000 hat neben hoch- und niederohmigen Antenneneingängen und einer Erdanschlußbuchse, mehrpolige Normbuchsen zum Anschluß diverser Peripheriegeräte, wie Fernschreiberdecoder, Transceiver, VHF-Konverter und Computerschnittstelle. Anschluß für einen Zweitlautsprecher oder einen zusätzlichen NF-Filter sind ebenfalls noch vorhanden.

Als speziell für den R 5000 geeignetes Zubehör wird angeboten:
ZF-Filter YK-88 A - 1 6 kHz für AM-Betrieb
ZF-Filter YK-88 SN 1,8 kHz für schmalbandigen SSB-Betrieb
ZF-Filter YK-88 C 500 Hz fiir CW-/ RTTY-Betrieb
VHF-Konverter VC-20 für 2 m-Amateurfunkband
Interface Unit IF-232C/IC-10 für Computersteuerung
Englische Sprachausgabe VS-1
Mobilhalterung MB-430
Zusätzlicher Lautsprecher SP-430
13,8 V Versorgungskabel DGK-2
Antenneneingangsschutz A L-1, A L-2

Die hier wiedergegebenen technischen Angaben des Herstellers wurden von uns im Rahmen unserer meßtechnischen Möglichkeiten überprüft. Wir stellten die Exaktheit der gemachten Angaben fest. In einigen Fällen erzielten wir sogar bessere Meßergebnisse als hier angegeben. So hatte der Filter YK-88A 1 bessere Flankendämpfungswerte.

NF-Ausgangsleistung: 1,5 Watt (8 Ohm, Klirrfaktor 10 %)
Leistungsaufnahme: 40 W (220 V) oder 13,8 V / 2 A mit DGK-2
Maße: 270 x 96 x 270 mm / 5,6 kg

Im mehrwöchigen Dauerbetrieb konnten wir mit den beiden Testgeräten recht positive Erfahrungen machen. Die Empfangsleistung des Gerätes und die Möglichkeit gestörte Sendungen doch noch verständlich zu empfangen war beachtlich. Die Antennenverträglichkeit war gut. Langdrahtantennen, ein Faltdipol von 16 mtr., Aktivantennen, wie VS 30 und ARA 30 und nachgeschaltete Antennenverstärker führten in keinem Fall zur Übersteuerung des Empfängers. Auch an einer im Zimmer gespannten Behelfsantenne von ca. 4 Meter Länge waren recht gute Empfangsergebnisse zu erzielen. Die Spiegelfrequenzunterdrückung, speziell in den Amateurfunkbändern beobachtet, ist als sehr gut zu bezeichnen. Pfeifstellen waren kaum vorhanden. Besonders gut gefiel der sehr klare SSB-Empfang. Bei Benutzung der numerischen Frequenzeingabe über das Tastenfeld, wurde sofort Schwebungsnull gefunden, ganz gleich ob USB oder LSB als Betriebsart vorgewählt wurde. Die Tonhöhe bei CW-Empfang kann über das Notchfilter geringfügig beeinflußt werden, Störer aus dem Nachbarkanal konnen über die IF-Shift ausgeblendet werden. Die übrigen, nachgeschalteten Noise-Blanker und Notch, werden sie gefühlvoll bedient, können auch noch stark gestörte Signale besser verständlich machen. Die 100 Speicherplätze, die Frequenz, Betriebsart und Antennenwahl aufnehmen können, gestatten in Verbindung mit der Zeituhrschaltung und den Suchlauffunktionen vielfältige Betriebsmöglichkeiten. Der bei Tastenbedienung sich mit einem "Piepton", oder sogar mit einem Morsezeichen meldende Empfänger - z. B. bei Betätigung der LSB-Taste ertönt ein "l" als Morsezeichen, bei Betätigung der USB Taste ein "u" — ist mit nachgerüsteter Sprachausgabe, die die eingestellte Frequenz in synthetischer englischer Sprache in der richtigen Ziffernfolge ansagt, besonders für die Benutzung durch sehbehinderte Hörer geeignet. Der Frequenzgang des eingebauten Lautsprechers, der nach oben abstrahlt, erscheint besonders für die Wiedergabe von Sprachsendungen geeignet, eine Variation der Tonhöhe ist nicht einstellbar. Die FTZ-fromme Version hat einen von 150 bis 26,200 kHz durchgehenden Empfangsbereich. Das Bedienteil des Empfängers verlangt eine Neuorientierung, wenn man bisher z. B. ein Normtastenfeld für die Frequenzeingabe, wie es bei den IC R 71 DL, NDR 525 und FRG 8800 vorhanden ist, benutzt hat. Die deutliche, mehr als handwarme Erwärmung der Empfängeroberseite, verlangt einen Betrieb des Gerätes in einer Umgebung mit guter Luftzirkulation. Sehr instruktiv ist das deutschsprachige Benutzerhandbuch gehalten. Ein allgemeiner Teil gibt Auskunft über Wellenausbreitung, Antennenbau und Erdung. Die Auslieferung der deutschsprachigen Ausgabe, die uns als Manuskript vorlag, soll in Kürze erfolgen.

Nicht nur für sehbehinderte Benutzer, auch für jeden anderen ist der R 5000 ein sehr empfehlenswertes Gerät, besonders wenn man gleich die seiner hauptsächlichen Betriebsart entsprechenden Filter nachrüsten läßt. Hier hat Kenwood sicherlich keinen Flop gestartet. Es wird nun noch schwieriger sein, sich zwischen dem Kenwood R 5 000, dem ICOM R 71 DL und dem NRD 525 zu entscheiden. Aber ..Wer die Wahl hat, hat die Qual!".

Meinen Hörerfreunden des Hamburger Testteams danke ich für lhre Ratschläge und Anregungen.

© Werner Kant, DD 9 HK, wwh 4 / 87

d:Praxisbericht zum R-5000 - das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, Jürgen Bast, Martin Wolter, kurier 17/87
e:WRTH tests the Kenwood R-5000, Jonathan Marks, WRTH 1987
e:Kenwood R-5000, RN Receiver Shopping List, Jonathan Marks 1987
e:a Review of the Kenwood R-5000, Don Moore, Kent Willis