Radio Pages

Nordmende

Globetrotter 808: Testbericht © Rainer Lichte / addx

Logo
travel radios
portable receivers
communication receivers
classic commercial receivers
"boatanchors"
military equipment
 
Nordmende
 
Globetrotter
Globemanager
Galaxy Mesa 4000
Galaxy Mesa 6600
Galaxy Mesa 7000
Galaxy Mesa 9000
Globetrotter 808
 
receiver list
receiver manuals
 

überarbeitet am 21.10.2010

Doppelsuper, 1.ZF 1,2 MHz, 2.ZF 2,46 MHz; UKW-ZF 10,7 MHz

Analoganzeige ca. +/- 20 kHz,

AM, SSB (BFO), CW

LW, MW, KW 1.6 - 19 MHz, 11 BC-und Afu- Kurzwellenbänder gespreizt

Selektivität -6 dB/ -60 dB
AM 6.0 / 15 und 7.0 / 18 kHz

Sensitivität
AM ca. 4 - 5 uV

RF-Gain, 2 AM-Speicher

Das Koffergerät ist in den Farben schwarz, "Alu" und hellblau gehalten (Kunststoff-Gehäuse). Auffallend ist die große, übereck ausgeführte Skala. An der Gehäuseoberseite die Knöpfe für Skalenbeleuchtung bei Batteriebetrieb und der Batterie-Tester, daneben die Schaltgruppe für die Bandwahl, leichtgängige Tipptasten.
Die Skala enthält oben die übersichten für LW, MW, Marineband (SW 1 inklusive Tropenband) und den durchgehenden Kurzwellenbereich, vorne jene für LW, MW, Marineband und UKW (letztere nach Frequenzen und Kanälen bezeichnet) sowie die Skala des Spreizband-Trommeltuners.
Darunter befinden sich links die drei Drehknöpfe für ein/aus und Lautstärke, Höhen und Bässe, in der Mitte der Umschalter für Radio/Phono-Wiedergabe, Squelch und AFC (der Squelch-Einsatz ist mit einem Drehknopf auf der Gehäuserückseite regelbar) und das Anzeigeninstrumentfür Feldstärke und Batteriespannung; schließlich rechts der Bandbreitenschalter, die Umschaltung für automatische oder manuelle Regelspannung, der RF-Knopf und der Ziehschalter für Zuschaltung des BFO - mit Pitch-Control.
Die Abstimmung erfolgt durch zwei Knopfgruppen für FM/LW, MW, SW und KW/Antennentrimmer. Der Trimmer ist nur bei Anschluß einer Außenantenne wirksam.
Der eingebaute Lautsprecher (Frontabstrahlung) gibt mit der eingebauten Endstufe sieben Watt Musikleistung ab. An der linken Gehäuseseite befinden sich eine DIN-Buchse für NF-ein/aus, der Ausgang für den Zweitlautsprecher, eine Klinkenbuchse für Kopfhörer und eine (etwas knapp darunter liegende) Buchse für eine externe 12 V- Versorgung.
An der rechten Gehäuseseite befinden sich der Knebelschalter für den Trommeltuner und die beiden Koaxialbuchsen für die Außenantennen FM und LW, MW, KW. An der Gehäuserückseite die Squelch-Regelung, Batterie- und Netzkabelfach, Netzsteckerbuchse und Spannungsregelung.
Die kombinierte Teleskopantenne kann für UKW und KW in verschiedener Länge ausgefahren werden. Die eingebaute Ferritantenne für LW/MW ist durch Tastendruck abschaltbar. In diesem Fall kann ein Peilzusatz für LW zugeschaltet werden und das Signal der Peilsonde über die Lautsprecherbuchse abgenommen werden. (Umrüstmöglichkeit für MW- Rahmenantenne)
Die Stromversorgung kann mittels sechs Monozellen, einem Akku-Block, einer externen 12 Volt-Versorgung oder über Netz erfolgen.

Technischer Aufbau
Der Globetrotter 808 ist ein Vorstufen- Doppel-Super mit Trommel-Tuner. Die üblichen ZFs 1.2 MHz, 2.460 MHz und 10.7 MHz für UKW erleichterten die Entwicklung erheblich. Er ist mechanisch einfacher als seine Vorgänger und dafür elektrisch etwas modernisiert (integrierte FM/AM-Schaltung).
Das Trommeltuner-Prinzip erlaubt einfache und wirkungsvolle Aufteilung der Bereiche, wenngleich dafür etwas mehr mechanischer Aufwand notwendig ist. Gutdimensionierte niederohmige Antennenanpassung sollte auch zusammen mit einem AF 106 in der Vorstufe noch heutigen Bedürfnissen genügen.
Der erste Oszillator ist ohneTrennstufe direkt an den Mischer (BF 451) gekoppelt. Nach dem 2 MHz-Filter der 1. ZF geht's sofort zum zweiten Mischer. Der zweite Oszillator ist ebenfalls sehr übersichtlich aufgebaut. Die Versorgungsspannung des zweiten Oszillators besitzt eine bescheidene Stabilisierung. Die Bandbreitenumschaltung wird nun durch Veränderung des Koppelungsgrades der nächsten beiden Filter der 2. ZF bewirkt. Die LC-Filter lassen hier auch Möglichkeiten für individuelle Eingriffe erkennen. Nach der Verstärkerstufe der 2. ZF folgt ein sehr selektives Filter aus zwei (durch ein Keramikfilter gekoppelte) LC-Filtern. Die letzte Stufe bildet ein TAA 991. Dieser sorgt auch für die Erzeugung der Regelspannung. Das S-Meter wird direkt am Demodulator betrieben. Die BFO-Frequenz wird über einen LC-Oszillator erzeugt, wobei die Feinregelung durch eine Kapazitäts-Diode vorgenommen wird. Interessant ist die Richtungsschaltung des BFO. Mit einer Brückenschaltung von RC-Gliedern und Transistoren wird ein symmetrischer Mischer aufgebaut. Das scheint eine sehr gute und anpassungsfähige Lösung zu sein, wenn nicht gleich auf einen integrierten Baustein umgestiegen wird.
Die übrigen Bereiche des Empfängers sind als Einfach- Vorstufen-Super konzipiert. Diese Vorstufen haben es dafür aber zu einem FET im Vorkreis gebracht. Interessant ist der Versuch, eine wirklich merkbare Richtcharakteristik in die Ferritantenne zu bekommen. In der Stellung Peilen wirkt sie recht gut. Der UKW-Teil bietet nichts Aufregendes. Die wirksame Stabilisierung kostet bei Batteriebetrieb merklich Energie - aber ein Ladezusatz für Akkus ist im Gerät enthalten.
Im Trend zum billigen Gerät bleiben die Gehäusefestigkeit und die Abschirmungsmaßnahmen auch bei diesem Empfänger auf der Strecke.

Bewertung im Betrieb
Es können drei verschiedene Stationen vorgewählt und auf Tastendruck abgerufen werden; davon eine UKW-Station. Das bietet den Vorteil, eine KW-Station auf zwei verschiedenen Bändern einstellen und das Signal vergleichen bzw. das jeweils bessere Signal wählen zu können.
Auf UKW bietet der Globetrotter exzellente Klangqualität; Squelch und AFC arbeiten wirksam; man darf nur nicht übersehen, daß der Squelch auch auf den anderen Bändern wirkt und bei DX-Empfang ausgeschaltet werden muß.
Bei LW und MW ist der eingebaute Ferrit-Stab nur eine Hilfe; die Verwendung einer Außenantenne ist dringend anzuraten. Übersteuerungen ("Zustopfen") sind kaum möglich.
Nur bei Verwendung der Bereiche SW 1 - 3 ist das Gerät ein durchgehender Empfänger; der Trommeltuner enthält lediglich die herkömmlichen Rundfunk- und Amateurfunk- Bänder. Für Tropenband ist der Globetrotter nicht das ideale Gerät.
Bedauerlich: in allen Skalenbereichen läßt die Ablesegenauigkeit zu wünschen übrig. Der Skalenstrich selbst ist so breit, daß man sich daran gewöhnen muß, entweder die rechte oder linke Kante als Einstellmarke anzusehen. Beim Trommeltuner ist der Skalenstrich zwar schmal, dafür die Hilfsskala nur sehr mager unterteilt. Man greife also zurück auf das altbewährte Hilfsmittel, sich einen Streifen Millimeterpapier unter die Skalen zu kleben und die jeweilige Sendereinstellung dort zu notieren.
Die Abstimmknöpfe sind etwas klein dimensioniert; versehentlich kann auch mal der FM-Knopf mitverstellt werden, während man auf LW/MW/KW abstimmt.
Die Ablesegenauigkeit innerhalb der Grenzen, die das überholte Trommeltuner-Prinzip setzt, ist recht gut; auf mehr als 20 kHz Genauigkeit abzulesen ist ohne manuelle oder elektronische Hilfe (Hilfsskala, Frequenzzähler) nicht möglich.
Die Bandbreitenschaltung bringt wenig Gewinn an Trennschärfe, eher mehr Verlust an Verständlichkeit durch die Kombination mit einem Hochpaßfilter. Es ist ratsam, die AGC auszuschalten, die RF hochzuregeln und die Station auf SSB abzustimmen. In diesem Fall läßt sich ein erstaunlich selektives Signal gewinnen. Das S-Meter ist nicht geeicht und nicht nach S-Stufen kalibriert. SSB-Demodulation ist - wie bei allen vergleichbar konzipierten Geräten - recht mühsam, da die Feineinstellung viel Fingerspitzengefühl erfordert und abwechselnd die Skala, der BFO und die RF-Gain (HF-Verstärkung) nachtrimmt werden müssen.
Beispielhaft ist das Begleitmaterial: Der "Shortwave Guide" enthält alle wichtigen Informationen für den Newcomer, eine (gute) Anleitung zum Abfassen eines Empfangsberichtes, zur Führung des Logbuches usw., sowie eine Sendertabelle, die zwar zwangsläufig nur in Grenzen zutreffen kann, aber bestimmt als erstes Hilfsmittel willkommen ist. Einziges Detail, das verbesserungswürdig wäre: es fehlt der Hinweis auf die DX-Zeitschriften; es werden nur das WRTH und das Jahrbuch der Deutschen Welle angeführt. Die technischen Unterlagen enthalten neben dem Schaltplan auch eine genaue Abgleich-Anleitung.

Zusammenfassung
Der Globetrotter ist trotz seiner Grundkonzeption mit Trommeltuner, die nicht mehr den heutigen Anforderungen an die Ablesegenauigkeit entspricht, ein in seiner Preisklasse zu empfehlendes Gerät. Dies vor allem, weil Trennschärfe und Empfindlichkeit, Bedienungskomfort und Beigeben (Shortwave Guide) den Anforderungen entsprechen, die ein Anfänger für den Einstieg ins DX-Hobby erwartet. Für spezialisierten Betrieb, vor allem auf den Tropenbändern, ist der Globetrotter in seiner Preisklasse anderen Geräten bereits unterlegen. Wer ohnedies über einen digitalen Frequenzmesser verfügt, wird das Gerät voll nützen können und vor allem die Einsatzmöglichkeit von besonderen LW-MW-Antennen schätzen.
Die etwas verfehlte Gesamtkonzeption hat zum Preisverfall geführt. Das Gerät wird für unter DM 500.- angeboten.

Nordmende Globetrotter 808: Technische Daten
Hersteller Nordmende
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper
Frequenzbereiche KW 1 - 3: 1.6 - 19 MHz sowie 11 Rundfunk- und Amateurfunkbänder und LW, MW, UKW
Frequenzanzeige analog
Ablesegenauigkeit +/- 20 kHz
Besonderheiten gespreizte Kurzwellenbänder auf Trommeltuner

HF-Teil
Empfindlichkeit (6 dB S+N/N)
5 uV (AM breit), 4 uV (AM schmal)
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB:
schmal 6.0 / 15.0 kHz
breit 7.0 / 18.0 kHz
Spiegeltrequenzsicherheit besser als 65 dB
Abstimminstrument vorhanden
Antennen Teleskopantenne, Ferritantenne für MW und LW
Antennenanschlüsse für KW und UKW vorhanden

NF-Teil
Leistung, Sinus 1.5 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen
Lautsprecher zwei
Anschlüsse Ohrhörer, Lautsprecher, Aufnahme
Stromversorgung Netz 110/220 Volt umschaltbar; Batterie sechs Monozellen oder Akku
Leistungsaufnahme ca. 16 Watt bei Netzbetrieb
Maße 40 > 25 x 12 BHT in cm
Gewicht 4,4 kg mit Batterien
FTZ-Nummer 8.104 A
Preis DM 600,-

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl