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ATS 808 / Siemens RK 661: Testbericht © weltweit hören 10 / 1989

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überarbeitet am 22.7.2010

Siemens RK 661

Doppelsuper,

Digitalanzeige, 1 kHz

AM, FM (UKW)

UKW, LW, MW, KW

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

18 Speicher, Uhr, Timer

Allgemeines
Der Siemens RK 661 ist ein neuer Weltempfänger, der zwar schon auf der Berliner Funkausstellung im Herbst 1989 vorgestellt wurde, aber erst Anfang 1990 im Handel erhältlich sein wird. Das anthrazitfarbene und mit goldener Beschriftung versehene Gerät ist etwas kleiner als ein WRTH (196 x 125 x 36 mm), wiegt 620 Gramm und kostet DM 398,-. Zum Lieferumfang gehören Schutztasche, Stereo-Ohrhörer und eine Bedienungsanleitung, die allerdings weder Schaltplan noch sonstige technische Daten enthält. Ein Netzteil wird nicht mitgeliefert. Der RK 661 empfängt in der FTZ-Version (ZZFNr. Z G609 126WS) den Bereich 155 kHz bis 30 MHz lückenlos sowie UKW 87,5 bis 108 MHz. Die Stromversorgung erfolgt durch vier Mignonzellen. Weitere zwei Mignonzellen sind zur Pufferung von Uhr und Speichern erforderlich.

Ausstattung und Bedienung
Die Ausstattung des Gerätes liegt auf mittlerweile fast üblichem - hohen Niveau. Die Frequenzwahl kann durch Up/Down-Tasten, Suchlauf, Handabstimmung oder direkte Eingabe erfolgen. Bei manueller Abstimmung können zwei Abstimmschritte (slow/fast) geschaltet werden. Im einzelnen stehen folgende Abstimmraster zur Verfügung:

Manuelle Abstimmung

  Suchlauf fast slow
UKW 50 kHz 100 kHz 50 kHz
Langwelle 9 kHz 9 kHz 1 kHz
Mittelwelle 9/10 kHz 9/10 kHz 1 kHz
Kurzwelle 5 kHz 5 kHz 1 kHz

Für Mittelwelle ist noch ein separater Schalter vorhanden, mit dem sich das Mittelwellenraster von 10 kHz (Amerika) auf 9 kHz (Rest der Welt) von außen umschalten läßt. Das bedeutet, daß dazu die Stützbatterien nicht entfernt werden müssen und somit der Speicherinhalt erhalten bleibt. Der Abstimmknopf ist sehr leichtgängig und rastet nicht. Er läßt sich sehr gut bedienen. Das gleiche gilt für die Up/Down-Tasten. Sie sind groß genug und haben einen guten Druckpunkt. Die Tasten der Frequenztastatur sind allerdings etwas zu schmal geraten und die Taste 5 ist leider nicht markiert (wichtig für Sehbehinderte). Die einzelnen Frequenzbereiche können durch die Tasten FM (87,5 -108 MHz, Stereo über Kopfhörer), LW (155 - 519 kHz), MW (520 -1620 kHz) und SW (1621 - 29999 kHz) direkt aufgerufen werden. Die einzelnen Rundfunkbänder (120 m - 11 m, einschliesslich dem neuen 22 m Band) können ebenfalls durch Tasten angewählt werden. Diese Art der Frequenzwahl dient in erster Linie zur Festlegung des Suchlaufbereiches.
Für die Wellenbereiche UKW, MW und LW stehen je neun Speicher zur Verfügung, für KW sind es 18. Die Kurzwellenspeicher sind ab Werk bereits mit den Frequenzen von einigen deutschen und internationalen Sendern programmiert. Diese Speicherbelegung ist in einer kleinen Tabelle auf der Rückseite des Gerätes aufgedruckt.
Diese vorprogrammierten Speicher sind in erster Linie als Starthilfe für den Newcomer gedacht und können, im Gegensatz zum Satellit 500, jederzeit verändert werden.
Das LC-Display ist sehr gut abzulesen, wenn das Gerät in Schräglage aufgestellt ist. Außer der Frequenz werden Uhrzeit, Feldstärke (7 Segment), Speichernummer, Bereich (zum Beispiel SW), Meterband (zum Beispiel 49 m), Sleep-Funktion (Bett), Lock (Schlüssel) und Stereo (Kopfhörer) angezeigt.
Der RK661 besitzt zwei Uhren (zum Beispiel für MEZ und UTC), die sich auch als Timer einsetzen lassen. Zusätzlich zur Abschaltautomatik (Sleep-Funktion) und zum Einschalten des Radioteils besteht noch die Möglichkeit, sich durch einen Weckton wecken zu lassen.
Das Gerät besitzt folgende Anschlußmöglichkeiten: externes 6 Volt-Netzteil (Plus auf Außenleiter), Kopfhörer (3,5 mm Klinke Stereo), AM Außenantenne (3,5 mm Klinke). Ein Aufnahmeausgang ist nicht vorhanden. Ebenso fehlt ein Griff oder eine Trageschlaufe, sowie eine Beleuchtung für das Display. SSB-Signale können nicht demoduliert werden.
Die Stromaufnahme beträgt bei Betrieb über den eingebauten Lautsprecher bei mittlerer Lautstärke etwa 75 mA, bei Kopfhörerbetrieb UKW-Stereo ca. 90 mA Ein Akkusatz mit einer Kapazität von 500 mAh reicht demnach ungefähr für 6,5 bzw. 5,5 Stunden Spielzeit. Zur Pufferung der Speicher bei ausgeschaltetem Gerät werden etwa 0,3 mA benötigt.

Empfangseigenschaften
Nach dem Einschalten fällt als erstes auf, daß die meisten Funktionen durch ein relativ lautes BEEP quittiert werden. Dieser Ton nervt auf die Dauer. Leider läßt er sich weder abschalten noch in der Lautstärke regeln. Bei den ersten Empfangsversuchen tagsüber macht man zunächst fast nur positive Erfahrungen. Das Gerät ist sehr ruhig, das heisst auf freien Frequenzen ist wirklich nichts zu hören. Erst wenn die Lautstärke voll aufgedreht wird, hört man ein leises Rauschen. Es treten keine Störungen durch den eingebauten Mikroprozessor auf. Die Sprachverständlichkeit ist hervorragend, auch bei schwachen oder gestörten Stationen. Der eingebaute Lautsprecher ist optimal für Sprachwiedergabe ausgelegt. Nur extrem starke Sender klingen etwas übersteuert, was sich durch Einschalten des Abschwächers vermeiden läßt. Das alles deutet darauf hin, daß das Gerät keine automatische Verstärkungsregelung besitzt, was aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muß. Es können zwei Bandbreiten geschaltet werden, wovon die schmalere zwei etwa gleich starke Sender im 5 kHz-Raster trennt. Die breite kann nur benutzt werden, wenn beide Nachbarkanäle frei sind. Bei Störungen von einem Nachbarkanal kann man sehr gut zur anderen Seite verstimmen, ohne daß sich die Verständlichkeit wesentlich verschlechtert. Die Richtwirkung der Ferritantenne ist sehr ausgeprägt. Bei LW/MW-Empfang sollte die Teleskopantenne eingeschoben werden, da sie auch bei diesen Bereichen in Betrieb ist und wesentlich mehr Störungen aus dem Haus aufnimmt, als die Ferritantenne. Für Langwelle ist noch das alte Raster (155, 164,...) programmiert. Das S-Meter arbeitet zufriedenstellend. Es zeigt zwar auch schon bei relativ schwachen Stationen 5 an, geht aber erst bei starken auf 6 bzw. 7. Der Klangschalter (High/Low) hat auf den AM-Bereichen im Gegensatz zu UKW kaum eine Wirkung. Was auf Kurzwelle ein Vorteil ist, ist für UKW von Nachteil: hier klingt der Lautsprecher ziemlich dünn und blechern. Die Wiedergabe ist mit Kopfhörer deutlich besser. In den Abendstunden schlägt die Freude am RK661 allerdings ziemlich schnell in Frust um. In den jetzt stärker belegten Bändern ist es kaum noch möglich, Störungen durch Verstimmen zu entgehen. Das Großsignalverhalten reicht bei Netzbetrieb mit der eingebauten Teleskopantenne nur knapp aus. Abends kommt es gelegentlich zu Übersteuerungen. Bei Batteriebetrieb tritt das Problem nicht so schwerwiegend auf, allerdings ist dann auch die Empfindlichkeit wesentlich geringer. Bei Anschluß einer Außenantenne (10 Meter Draht) war das Gerät hoffnungslos übersteuert. Nach Einschalten des Abschwächers waren die Übersteuerungen zwar verschwunden, aber der Empfang ist dann schlechter als mit Teleskopantenne. Die Spiegelfrequenzdämpfung ist miserabel. Abends ist der obere Teil des 60 m Bandes voll mit Spiegeln aus dem 49 m Band. Das gleiche gilt für den Bereich oberhalb von 6200 kHz, wo viele Stationen aus dem 41 m Band zu hören sind. Dadurch erfahrt man immerhin, was nicht in den technischen Daten steht- es handelt sich hier wohl um einen Einfachsuper mit einer ZF von 450 kHz

Um die Empfangsleistungen des RK661 besser einschätzen zu können, wurde er mit dem Panasonic RF-B60 und dem Grundig Satellit 500 verglichen. Bei den Vergleichen wurden alle Geräte am Netz betrieben, um Verfälschungen durch einen unterschiedlichen Batteriezustand zu vermeiden. Die Empfindlichkeit des Siemens entspricht auf den AM-Bereichen ziemlich genau der des Satellit. Der Panasonic ist ein wenig empfindlicher

Testfall 1
Atlantic 252 auf 254 kHz tagsüber - Beim Satellit ist auf dieser Frequenz durch eigenerzeugte Störungen (Brumm) nichts zu hören. Der Panasonic bringt die Station, allerdings mit Störungen durch Algerien auf der gleichen Frequenz. Mit dem Siemens läßt sich der Algerier sehr gut ausblenden, Atlantic 252 ist störungsfrei zu hören.

Testfall 2
Mali auf 4835 kHz abends - Beim Panasonic ist die Station mit starken Utilitystörungen zu hören, beim Siemens sind die Interferenzen etwas geringer. Der Satellit bringt die Station nahezu störungsfrei, bei allerdings etwas schlechterer Verständlichkeit (dumpf).

Testfall 3
King of Hope auf 6280 kHz abends - Beim Satellit ist hin und wieder mal ein Wort zu verstehen. Ansonsten hört man ein Brodeln und Pfeifen. Der Siemens bringt einen Spiegel aus dem 41 m Band. Mit dem Panasonic ist die Station mit leichten Utility-Störungen aber klar verständlich zu hören.

Testfall 4
BBC Seychellen auf 17885 kHz mittags (Extrem starkes Signal von Radiostantsiya Atlantika auf 17880 kHz) Auf Panasonic und Satellit von BBC keine Spur, nur Gespratze vom Nachbarkanal. Beim Siemens ist BBC zu ahnen, hin und wieder sind einzelne Worte zu verstehen.

Dies sind einige Beispiele, die zeigen sollen, daß es in diesem Vergleich keinen eindeutigen Sieger gibt. In vielen Situationen brachte der Siemens ein erstaunlich gutes Empfangsergebnis.

© Joachim Salisch und Bernd Klaus, wwh 10 / 1989