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ATS-818CS / Siemens RK - 670 / 770: Testbericht © kurier 4 / 1992

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überarbeitet am 22.7.2010

Siemens RK 670

Doppelsuper, 1.ZF 49,995 MHz, 2. ZF 450 kHz

Digitalanzeige, 10 Hz

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

UKW, LW, MW, KW 150 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -50 dB

Sensitivität

Filter narrow/wide, RF Gain

Keypad, 45 Speicher, Uhr, Timer, integr. Kassettengerät

Siemens erweiterte kürzlich sein Programm an Weltempfängern um den RK 670. Neu an diesem Gerät ist nicht unbedingt das Empfangsteil, denn es orientiert sich weitgehend an dem des bewährten RK 661, sondern der integrierte Cassettenrecorder. Durch den Einsatz der ebenfalls vorhandenen Schaltuhr können mit dem neuen RK 670 Sendungen automatisch auf Cassette aufgenommen werden. Das Gerät ist für unter DM 500,- im Handel erhältlich.
Die deutsche Bedienungsanleitung bietet in knapper Form alle nötigen Angaben für einen problemlosen Betrieb. Wünschenswert wäre zusätzlich eine kurze Einführung in die Besonderheiten und eventuell auftretende Probleme des Kurzwellenempfangs oder doch zumindest ein Verweis auf entsprechende Fachliteratur. Auf diese Weise könnte es "Newcomern" erspart werden, den weltweiten Kurzwellenempfang nach kurzer Zeit enttäuscht wieder aufzugeben.
Das beiliegende "Wave Handbook" enthält überwiegend veraltete Angaben, beispielsweise sind noch Radio Berlin International und Radio Kuwait gelistet, ebenso wie die schon seit geraumer Zeit eingestellten deutschsprachigen Sendungen von Radio Canada International und Radio RSA. Siemens war sich der mangelnden Aktualität des "Wave Handbook" anscheinend bewusst und hat dem RK 670 eine "Tabelle deutschsprachiger Sendungen auf Kurzwelle" beigelegt, die besser recherchiert erscheint, als die Vorgängerliste.

Das Gehäuse im Format (BxHxT) 30,3 x 19,1 x 6,7 cm und mit einem Gewicht von 1,8 kg macht einen robusten Eindruck, der seitlich angebrachte Lautstärkeregler erscheint jedoch ein wenig wackelig. Mittels eines Bügels auf der Rückseite kann der Empfänger in eine bedienungsfreundliche Schräglage gebracht werden, der Empfänger verfügt jedoch auch über genug Standfestigkeit für einen aufrechten Betrieb. Auf der Vorderseite befinden sich neben Cassettenfach und Lautsprecher das Display sowie 33 Tasten und Schalter. Das angenehm übersichtliche, gut einsehbare und beleuchtbare Display enthält ständig Informationen über die aktuelle Uhrzeit, Signalstärke und eingestellte Frequenz. Die Anzeige der Signalstärke ist nur bedingt aussagekräftig, ausserdem hat man sich für die ungewöhnliche Einteilung von "S1" bis "S7" entschieden.
Es lassen sich zwei verschiedene Uhrzeiten eingeben und wahlweise darstellen. Ausserdem bietet die Uhr eine "Sleep-Funktion", durch die sich der Empfänger nach 60 Minuten automatisch abschaltet. Der RK 670 läßt sich auch als Wecker benutzen: Man kann sich entweder durch Musik aus dem Radio oder durch einen immer lauter werdenden Piepton aus dem "Land der Träume" zurückholen lassen.

Der Empfänger
Der RK 670 empfängt den Bereich 150 - 29999 kHz (Lang-, Mittel- und Kurzwelle) sowie 87.5-108 MHz (UKW). UKW-Empfang ist über Kopfhörer auch in Stereo möglich. Die Frequenzabstimmung kann auf verschiedene Arten geschehen: An der rechten Gehäuseseite befindet sich ein grosser Drehknopf, über den wahlweise in 1 oder 5 kHz Schritten abgestimmt werden kann. Ü:ber eine numerische Tastatur auf der Vorderseite kann die gewünschte Frequenz auf I kHz genau direkt eingegeben werden. Eine Scan-Funktion sucht den gewünschten KW-Frequenzbereich in 5 kHz-Schritten ab und stoppt bei starken Signalen. Auf Mittelwelle läßt sich der Kanalabstand von 9 auf 10 kHz umstellen. Schließlich können insgesamt 45 Frequenzen (18 auf Kurzwelle, je 9 auf Lang-, Mittel, und Ultrakurzwelle/UKW) abgespeichert werden. Die Frequenzen oft gehörter Stationen werden hier abgelegt und bei Bedarf abgerufen. Einige Speicherplätze sind bereits ab Werk belegt, können jedoch leicht geändert werden. Die Frequenzabstimmung kann gesperrt werden, so daß ein versehentliches Verstimmen oder Ein- oder Ausschalten unmöglich wird. Die Stromversorgung erfolgt entweder durch das mitgelieferte Steckernetzteil, durch vier Monozellen oder durch eine Autobatterie. Für den internen Speicher sind ausserdem drei Mignonzellen nötig.
Für den Empfang von Amateur-, See- oder Wetterfunk besteht die Möglichkeit des SSB (Einseitenband)- Empfangs. Mittels eines BFO wird exakt auf beste Verständlichkeit abgestimmt, auch wenn die Frequenz selbst nur auf 1 kHz genau eingestellt werden kann. Für den Bereich 150 - 29999 kHz stehen zur Verringerung von Nachbarkanalstörungen zwei verschiedene Bandbreiten zur Verfügung. Die Bandbreitenumschaltung hilft etwas, könnte jedoch verbessert werden. Ü:ber eine Tonblende kann man die Tonhöhe dem persönlichen Geschmack anpassen, ein "RF Gain" bietet die Möglichkeit zur stufenlosen Verringerung der Empfindlichkeit.
Wie bereits erwähnt, gleicht das Empfangsteil des RK 670 weitgehend dem des älteren RK 661, es handelt sich also vom Konzept her keinesfalls um einen DX-Empfänger. Die Empfindlichkeit ist ausreichend für den Empfang internationaler Sender, der Empfänger macht einen sehr ruhigen Eindruck. Allerdings erscheint die eingebaute Teleskopantenne ein wenig "taub" zu sein. Es ist eine Anschlußbuchse für eine externe Antenne vorhanden und bereits 15 cm(!) Draht erzeugen teilweise ein deutlich stärkeres Empfangssignal als der eingebaute Teleskopstab und ermöglichen den Empfang auch schwacher Lokalstationen auf Kurzwelle. Hat man so die Antenne "verlängert" und das Eingangssignal erhöht, ist mit dem Empfänger sogar echtes DX möglich: Bei unseren umfangreichen Tests war das 60-Meterband plötzlich voll mit auch schwächeren Stationen und sogar im 90-Meterband waren zwei Stationen (Namibia und Ghana) zu hören.
Diese Ü:berraschung machte uns neugierig und wir versuchten, weitere DX-Stationen zu hören: 5983 AWR Guatemala, 5995 Mali, 7100 VORGAN, 7375 RFPI, 9115 Continental, 9585 Excelsior, 9735 Paraguay, 9661 Rumbos, 11805 Globo konnten innerhalb kurzer Zeit an einem Abend gehört werden. Sämtliche Empfänge wurden übrigens durch zwei Kommunikationsempfänger der oberen Preisklasse überprüft, um sicherzustellen, daß es sich nicht um vom RK 670 erzeugte "Geisterempfänge handelte. Ein wirklich erstaunliches Ergebnis. Es bewahrheitet sich einmal mehr, daß sich ein vorsichtiges experimentieren mit Drahtantennen auch bei Geräten mit integrierter Antenne durchaus lohnen kann. Auch das blosse Anfassen des Teleskopstabs kann bereits Verbesserungen erzielen. Zur "Ehrenrettung" der teuren Kommunikationsempfänger muß erwähnt werden, daß die ganz schwachen Stationen (z.B. 6325 VOK, 6724 Satelite) mit dem RK 670 auch nach Antennenexperimenten nicht auf Anhieb gehört werden konnten.
Die erreichte Tonqualität der Lautsprecher des RK 670 ist gut und viel besser als z.B. beim teureren Sony ICF-2001 D. Kopfhörerbetrieb ist ebenfalls möglich, auf UKW in Stereo (Umschaltung auf Mono ist möglich). Ein Kopfhörer gehört leider nicht zum Lieferumfang. Der Empfang auf Lang- und Mittelwelle sowie auf UKW ist akzeptabel und der Preisklasse entsprechend, könnte eventuell ebenfalls durch den Einsatz von Außenantennen verbessert werden.

Der Recorder
Neugierig auf den RK 670 machte der integrierte Recorder, hatte sich doch der Autor in der Vergangenheit schon mehrfach ein solches Gerät gewünscht, mit dem problemlos bei Abwesenheit Sendungen mitgeschnitten werden können. Und genau das bietet dieser "Kurzwellen-Radiorecorder". Mit der integrierten Schaltuhr, die den Empfänger auch zum Radiowecker umfunktioniert, kann ebenfalls der Recorder gesteuert werden.
Die Aufnahmequalität ist ordentlich für ein Gerät dieser Preisklasse, auf UKW können sogar Sendungen in Stereo aufgenommen werden. Zuviel sollte man sich von den Stereoaufnahmen jedoch nicht erwarten, so fehlt beispielsweise eine Möglichkeit zur Rauschunterdrückung. Die Aussteuerung wird automatisch geregelt, was für Lang-, Mittel- und Kurzwelle in Ordnung ist. Der Recorder erzeugt einen leisen Pfeifton im Empfangsteil. Bei Aufnahmen sollte man daher den vorhandenen Schalter mit der Bezeichnung "Beat Cut" auf die Position "2" stellen. Nach dieser Massnahme ist in AM und FM keine Beeinträchtigung des Empfangs mehr durch den Recorder feststellbar. Zwei Leuchtdioden zeigen den Betrieb des Recorders an, bei Wiedergabebetrieb schaltet das Radio stumm.
In der Betriebsart SSB erzeugte der Recorder eine deutliche Verzerrung des empfangenen Signals, die die Verständlichkeit beeinträchtigt. Dieses mag bei stark einfallenden Sendern ohne Bedeutung sein, könnte jedoch bei schwächeren Signalen zu Problemen führen.
Wünschenswert wären ein Zählwerk und ein Anschluß, über den der Recorder oder der Empfänger mit anderen Geräten verbunden werden kann. Ansonsten hinterlässt der Recorder einen positiven Eindruck, er erhöht den praktischen Nutzen des Empfängers.

Fazit
Ein vielseitiges Gerät für Einsteiger, Programmhörer internationaler Sender, Skipper und Dxer, die auch ausserhalb des heimischen Shacks Kurzwellensendungen hören und/oder z.B. DX-Sendungen aufzeichnen wollen. Für DX ist der RK 670 ohne Aussenantenne nur bedingt einsetzbar, was vom Konzept her allerdings auch nicht vorgesehen ist. Reserven können jedoch leicht wie beschrieben mobilisiert werden. Wünschenswert wäre die Erweiterung des Lieferumfangs um eine Einführung in den Kurzwellenempfang, einen stereotauglichen Kopfhörer und eine kurze Drahtantenne. Dieser Kurzwellen-Radiorecorder bietet sehr viel zu einem Preis, der aufhorchen läßt.

weitere Lektüre:
d: Der Kurzwellen- Recorder: Sangean ATS 818 cs, Harald Kuhl, Radio-hören 12 / 1998
d: Plädoyer für ein Mauerblümchen: Erfahrungen mit dem Siemens RK-770, Rolf-Dieter Wiedenmann, kurier 21 / 95

© Harald Kuhl kurier 4 / 1992