Sangean
Chung Ho City, Taipei Hsien 235, Taiwan

ATS 909: Testbericht © weltweit hören 4 / 1998

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ATS 909
 
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überarbeitet am 22.7.2010

Sangean ATS-909

Doppelsuper,

Digitalanzeige, 1kHz, alphanumerisch

AM, FM (UKW, mit RDS)

UKW, LW, MW, KW 1,7 - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

306 Speicher, Uhr, Timer

Wir haben das Gerät bereits bei unserem Test des NASA HF-4E (s. wwh 3/98) kennengelernt, zusammen mit dem Vertreter von Sony in diesem Marktsegment, dem ICF-7600G. Von Grundig wären hier noch der Yacht Boy 400 einzusetzen und der Yacht Boy 500. Damit erschöpft sich aber schon die Reihe der im Preisbereich 300 bis 500DM relevanten aktuellen Geräte.
Als Prototyp war der Empfänger schon 1995 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin gesichtet worden (s. wwh 10/95), damals unter dem Label von Siemens als RK-777. 1996 kam das in den USA und Taiwan ersonnene Gerät in den internationalen Handel, zuerst in Fernost. In Europa verspätete sich die Sache etwas, was mit dem Ausstieg von Siemens aus diesem Markt zusammenhängen dürfte. Jedenfalls scheint der Europa-Vertrieb, der über Holland läuft, erst seit Herbst 1997 zu klappen. In Deutschland wird das Gerät auch unter dem Namen TechniSat angeboten, die technische Ausrüstung ist, soweit wir das nachprüfen konnten, identisch. In den USA wird das Gerät unter Radio Shack DX-398 in einer Verpackung ohne Netzteil vermarktet.
Das Gerät kommt in einer kompakten Packung auf den Tisch. Sie enthält neben dem Gerät eine Schutztasche aus Kunstleder sowie eine mehrsprachige Bedienungsanleitung samt Europa-Garantie. Der Kurzinformation zur Kurzwelle (in Englisch) ist eine vom WRTH erarbeitete Frequenztabelle angegliedert, die man sich aber getrost hätte sparen können, Hinweise auf Fachliteratur und (natürlich!) die Hobbygemeinschaften wäre u.E. sinnvoller gewesen. Im Styroporcontainer finden sich noch ein relativ schweres Netzteil, eine aufgerollte Wurfantenne und ein "Ohrwurm", man kann auch sagen: Mini-Kopfhörer.
Das in einem ansprechenden Grauton gehaltene Gerät sollte am Netz betrieben werden. Der Batterie-Verbrauch hält sich zwar in Grenzen, bei mehrstündigem Betrieb in vemünftiger Lautstärke, also nicht mit Kopfhörer, werden die Batterien schnell erschöpft. Die Batterieanzeige scheint übrigens nicht immer korrekt zu arbeiten. Wir empfehlen, nicht die beigepackten Kopfhörer zu verwenden, sondern offene wie den Sennheiser HD 30, der hier vor Ort stets gute Dienst tut.

Die Frequenzeinstellung kann auf mehreren Wegen erfolgen. Auf der rechten Seite befindet sich ein Drehknopf mit zwei Geschwindigkeiten. ähnlich dem Sony kann mit UP und DOWN auch stufenweise durch den Frequenzbereich von 150 bis 29999 kHz gegangen werden, sowie auf UKW von 87,5 bis 108 MHz. Im Scan-Modus wird die jeweils nächste starke Station angefahren. Praktisch und eigentlich schon selbstverständlich sind die Speicherbänke. Hier werden nicht nur die Frequenzen gespeichert, sondern auch die Modulationsart. Mit etwas Geduld kann man auch bis zu 216 Stationen auf Kurzwelle, dazu jeweils 18 Stationen auf Mittelwelle und UKW und 9 auf Langwelle manuell speichern. Glücklicherweise sind 29 internationale Stationen bereits vorprogrammiert, die Frequenzen müssen aber teils aktualisiert werden. Beim Eingeben einer Frequenz mit einem Speicherplatz z.B. 6075 erscheint im Display DW. Dreht man weiter mit dem Abstimmrad, so bleibt DW über den gesamten Frequenzbereich zu sehen. Selbst beim Eingeben einer neuen QRG ohne vorheriges Ausschalten und ohne Speicherplatz erscheint wieder DW. Ein kleiner Softwarefehler, der sicher bald korrigiert wird.

Auf Kurzwelle ist die Empfindlichkeit generell als gut zu bezeichnen. Dies gilt für den Betrieb mit der Teleskopantenne. Je nach Standort empfiehlt sich der Einsatz der Wurfantenne und, wenn möglich, eine störungsfreie Erdung. So kann, trotz leicht erhöhtem Rauschpegel, doch noch etwas mehr an Nutzsignal herausgekitzelt werden. Bei zu starkem Signalpegel empfiehlt sich, den RF Gain entsprechend anzupassen. Obwohl das Gerät als Doppelsuper ausgelegt ist, sind einige stärkere Spiegelfrequenzen notiert worden, z.B. auf 5175, 5225 und 6340 (Betrieb mit Teleskopantenne). Zwar kann man bei diesem Empfänger eher als bei seinen Kollegen im Marktsegment mit allerlei Hilfsantennen (aus Draht usw.) experimentieren, diese sollten aber nie ohne zusätzliches Anpassteil betrieben werden.
Vergleicht man das Signal akustisch mit dem des Sony ICF-7600G, so sind dort die Signale rauschfreier, aber auch spitzer, der Höreindruck war für zwei unserer am Praxistest beteiligten OMs bei längerem Hören angenehmer. Sicher läßt sich da mit einem Dierking-Filter (o.ä.) noch etwas machen, vor Ort hatten wir leider keines zur Hand.
Man hat in AM die Wahl unter zwei Filterbreiten: 6,5 kHz (Sony: ca. 6) und 4 kHz (Sony: ca. 3,8). In der schmaleren Position werden Seitenbandsplatter weitestgehend unterdrückt, soweit nicht gerade ein dicker 500 kW Brummer drauf sitzt. Hier wäre ein Filter mit einem besseren shape factor ratsam - aber das hat seinen Preis. Im Gegensatz zum Sony ICF-76OOG wird kein Synchrondetektor angeboten, ebenfalls eine Preisfrage.
Als Frequenzschritte werden 5 kHz bzw. 1 kHz angeboten, auf Mittelwelle kann zwischen 9 und 10 kHz gewählt werden. SSB ist vorhanden, muß aber sehr feinfühlig eingestellt werden.
Der UKW-Teil sei in der Bewertung nicht vergessen. Im Vergleich bringen hier der YB 400 und 500 die besten Ergebnisse. Der Sony ICF-7600 hält gut mit, beim ATS-909 sind aber Schwierigkeiten bei der Trennung ersichtlich. Beispiel: Empfang bei Aachen, Radio Aachen auf 100,1 MHz (400 W) und BRT Gent auf 99,9 MHz (20 kW) - BRT Gent konnte nicht empfangen werden. Der ATS-909 ist eines der wenigen portablen Geräte mit RDS auf UKW, der Sony ICF7600G verfügt darüber z.B. nicht. Wertet man das Ansprechen der Geräte auf geringe Signalpegel, so ist der YB 500 unschlagbar, gefolgt vom CONRAD RDS Manager, erst dann kommt der ATS-909 mit einiger Verzögerung.

Fazit
Bei einem Marktpreis von ca. DM 429 bis ca. DM 459 (ca. US $ 260) ist der Sangean ATS-909 sicher eine gute Wahl als Reisempfänger. Ohne die kleinen Fehler hätte er fünf Sterne gut verdient. Legt man auf RDS keinen besonderen Wert, empfiehlt sich der Sony ICF-7600G. Wer dagegen großen Wert auf RDS legt, wird sowieso zum Grundig Yacht Boy 500 greifen, auch wenn dieser etwas teurer ist. Serienmäßig steilflankigere Filter würden dem ATS-909 gut anstehen, eine selbst durchzuführende Filtermodifikation scheint zu aufwendig. Auch ein Synchrondetektor ist ein Wunsch. Aber vielleicht kommt das alles noch - mit einem anderen Gerät von Sangean in einem höherpreisigen Marktsegment.

Technische Details
Sangean ATS-909, weitgehend identisch mit: Radio Shack DX-398, TechniSat ATS-909, Roberts R861
Markteinführung 1996/97
Frequenzbereich: 150 - 29999 kHz; 87,5 - 108 MHz
Größe: 225 x 132 x 35 mm, Gewicht- ca. 880 g mit Batterien
Netzteil beigefügt, alternativ 4 AA Batterien (bzw. Akkus) notwendig
Preis: ca. DM 429 bis DM 459 (ca. US $ 260)
Preis-Leistungsverhältnis: **** (maximal möglich: *****)

weitere Lektüre:
d: Sangean ATS 909, Kleines Allroundtalent mit Siemens RK-777 - Innenleben, Radio hören 8/97
e: The Sangean ATS-909 Portable Shortwave Receiver, Nancy Barry, Pop'Comm, 5/97
e: Sangean ATS-909, Jonathan Marks, R.Netherlands

© tte, wwh 4 /1998