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Sanyo RP 8880: Testbericht © Rainer Lichte / addx

 
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überarbeitet am 22.7.2010

double conversion, 10.7 MHz / 455 kHz

analog dial, ca. +/- 5 kHz

AM, SSB (BFO), CW, FM

LW, MW, KW 1.6 - 30 MHz, FM broadcast band

selectivity -6 dB/ -50 dB
AM 6.0 / 15 and 7.0 / 18 kHz

sensitivity5 MHz
AM 3,1 uV

RF-Gain

Das uns zur Verfügung gestellte Testgerät war in schlechtem Zustand. Da es nicht Aufgabe des Testers sein kann, ein Gerät zunächst abzugleichen und durchzumessen, haben wir den Test ohne Eingriff in den Empfänger durchgeführt. Viele der hier angeführten negativen Beurteilungen - das muß der Fairness halber gesagt werden - würden bei einem Gerät in guter Serienqualität hinfällig werden.

Allgemeine Beschreibung
Das Gehäuse - 48 cm Breite - mit schwarzem Kunststoff- Korpus und mattgrauer Frontplatte ist stark auf optische Wirkung ausgelegt: so sind etwa die beiden Seitenbügel funktionslos. Kippbarer Tragegriff. Standfüßchen mit Rändelrad höhenverstellbar. Drei Antennen: Teleskop für UKW, Teleskop (1,20 m) für KW, drehbare Ferritantenne auf Skalenscheibe mit 2 x 90 Grad Einteilung.
Über dem Lautsprecher - gut abgesetzt - der Hauptschalter und der Skalenschalter (für Batteriebetrieb). Unter dem Lautsprecher zwei Klinkenbuchsen für Zweitlautsprecher und Kopfhörer. An die Lautsprecherbuchse kann auch ein Ohrhörer angeschlossen werden.
Die Hauptgruppe der Armaturen ist beim VFO angeordnet: zwei Skalentriebe, zwei Bandwählschalter und ein Wechselschalter, der die linke (UKW, LW, MW, Marineband) oder rechte (5 x KW) Gruppe aktiviert. Die jeweils eingestellte Skala wird durch eine rote Leuchtdiode angezeigt.
Links von dieser Hauptgruppe: Kippschalter für AFC, Kippschalter für S-Meter oder Batteriespannung-Anzeige, NF-Regelung und zwei Schieberegler für Bässe und Höhen.
Rechts von dieser Hauptgruppe: Eichmarkengeber, Antennentrimmer, RF-Regelung, Kippschalter für BFO, Kippschalter für Bandbreite, Tonhöhenregelung für BFO.
An der linken Gehäuseseite Netzstecker (Gerät arbeitet auf Batterie nur, wenn der Netzstecker am Gehäuse abgezogen ist; nicht, wenn der Netzstecker vom Netz abgezogen wird) und 12 V-Anschluß.
Auf der Gehäuserückseite Batteriefach (8 x 1.5 V), Fach für Netzstecker, DIN-Buchse für Diodenausgang, Schiebeschalter für Wiedergabefunktion, zwei versenkte Buchsen für FM- und LW / MW / KW- Außenantenne (sehr unglückliche Wahl der Buchsen; mit keinem anderen Gerät kompatibel; auf dem Gehäuse wäre aber Platz für selbstangefertigte Modifikation).

Technische Beschreibung
An einem Weltempfänger interessiert vor allem der HF-Teil des Kurzwellenbereichs. Der Sanyo RP 8880 ist ein Vorstufen- Doppelsuper mit einer ersten Zwischenfrequenz bei 10.7 MHz und der zweiten ZF bei 455 kHz. Durch die Mitverwendung der UKW-Zwischenfrequenz (10.7 MHz) läßt sich so ein Doppelsuper billiger bauen. Die beiden Oszillatoren sind ohne großen Aufwand ausgeführt. Während der erste Mischer noch mit einem Dual-Gate FET ausgerüstet ist, wendet man beim 2. Mischer nur mehr additive Mischung mit einem gewöhnlichen FET an. Die Bandspreizung wird durch einen Drehkondensator am 2. Oszillator bewirkt.
Die gewählte Unterteilung der Kurzwellenbänder erfordert ein schaltbares Plattenpaket am Eingangskreis. Bemerkenswert ist ein 30 MHz- Tiefpaß nach dem Außenantennenanschluß. Die Stabantenne ist nicht über diesen Tiefpaß geführt.
Nach dem Eichmarken- Schalter gelangt das Signal an eine aperiodische Vorstufe mit einer Antennenanpassungsspule. Ein FET als Verstärker in diesem Kreis vermindert Kreuzmodulationen. Nach dem 1. Mischer und einem LC-Filter folgt eine aktive ZF-Stufe mit nachfolgendem Doppel- Keramik-Filter. Danach geht es durch den 2. Mischer zur 2. ZF. Hier erfolgt die Bandbreitenumschaltung durch Einschleifen zweier weiterer 455 kHz- Keramikfilter. Für SSB folgt nun die Umleitung zum BFO. Hier hat man wieder, sehr sauber, einen Ring-Modulator aufgebaut. Die Güte dieser Art von Mischer hängt sehr von der Übereinstimmung der Diodenkennlinien ab.
Pitch-Control wird durch eine Vario-Diode erreicht. Eine gute Temperaturstabilität kann man so aber nicht erhalten. Vom Demodulator- Ausgang wird in Standardausführung die Regelspannung gewonnen. Die RF-Gain- Control ist hier auf einen Regelwiderstand und einen Elko reduziert. Die Regelung erstreckt sich auf alle Stufen einschließlich der Vorstufe.
Die Eichmarken für 0.01 MHz, 0.1 MHz und 1 MHz werden von einem 4 MHz-Quarz abgeleitet. Als Teiler und Oszillator wird ein IC mit nachfolgendem Tiefpaß eingesetzt. Die Bereiche LW, MW und Marineband sind als Einfachsuper mit Vorstufe ausgeführt.

Betriebsergebnisse
Das S-Meter ist nicht geeicht, nicht einmal in S-Stufen geteilt (Skala von 1 - 10). Für UKW ist der Empfänger dank des groß dimensionierten Lautsprechers und der wirksamen Klangregelung hervorragend geeignet. Die AFC war beim Testgerät nicht voll wirksam; die Empfindlichkeit wurde nicht gemessen, da das Gerät nicht exakt abgeglichen war.
Der LW-Bereich erstreckt sich von 150 - 400 kHz. Die eingebaute Ferritantenne, obwohl nur Behelf, ist gut angepaßt. Die Skaleneinteilung ist ungenügend, doch kann mit dem Eichmarkengeber exakter eingestellt werden. Der MW- Bereich umfaßt 530 - 1600 kHz. Hier hat uns die Ferritantenne nicht überzeugt - so war es etwa nicht möglich, R Warschau und R Beograd 202 auf 1.503 MHz befriedigend zu trennen. Im unteren Bereich spricht die Ferritantenne besser an als im oberen. Der Anschluß einer Außenantenne ist möglich, doch muß bei Bandwechsel umgesteckt werden (keine eigene LW-MW- Buchse). Beim Anschluß einer Rahmenantenne wirkt sich die eingebaute Peilantenne wiederholt negativ aus (Ferritantenne nicht abschaltbar - könnte modifiziert werden). Im Marineband- Bereich wurden überraschend keine Spiegelfrequenz- Signale festgestellt. Die ungenügende Skalenmarkierung macht es schwer, die meist auf "krummen" Frequenzen arbeitenden Stationen zweifelsfrei einzustellen. Der Eichpunktgeber ist hier zu umständlich.
Der KW-Bereich ist in fünf Bänder unterteilt und erfaßt den Bereich 2.3 bis 30 MHz (2.3 - 5.95 / 5.95 - 6.2 / 6.2 - 10.0 / 11.7 - 20.0 /20.0 - 30.0). Zwischen 10 und 11.7 MHz findet man die übliche ZF-Lücke. Bei der Bandeinteilung fällt auf, daß das 49 m-Band über die volle Skala gespreizt ist, während für die anderen Bänder die recht bescheidene Bandspreizung ausreichen muß. Diesen Vorteil erkauft man mit dem Nachteil, auf dem 49 m-Band die Skala anders lesen zu müssen.
Die Frequenzabstimmung ist bei diesem Gerät recht eigenwillig und äußerst unglücklich gewählt worden. Man hat sich weder für eine Digitalanzeige noch für eine konventionelle Analoganzeige entschieden, sondern VFO und Eichmarkengeber kombiniert.
Eine Frequenz wird wie folgt abgestimmt: Man stellt Band Spread (großer Drehknopf in Gehäusemitte) auf Null, wählt auf der Hauptskala den der gewünschten Frequenz nächstliegenden unteren 100 kHz-Punkt, schaltet den Eichmarkengeber zu, stimmt auf Schwebungsnull ab, kalibriert manuell durch Verschieben der Skalenstriche die Haupt- und Nebenskala und kann nun einen Bereich von -30 kHz und +1130 kHz analog abstimmen, wobei Hauptstriche alle 10 und Nebenstriche alle 5 und 1 kHz angebracht sind. Ein 10 kHz- Eichmarkengeber ermöglicht die zusätzliche Kontrolle bzw. Abstimmung auf Schwebungsnull.
An die relativ komplizierte Abstimmung könnte man sich gewöhnen. Es gelingt auch mühelos, eine gewünschte Station einzustellen. Der wesentliche Nachteil ist, daß man beim Drehen übers Band und beim Versuch, eine zufällig eingestellte Station zu definieren, von allen Hilfsmitteln verlassen ist.
In den höheren Bereichen ist zudem die Hauptskala schon so eng, daß der 1 MHz-Schritt fast größer ist als das tote Spiel des Abstimmknopfes, und das Abstimmen auf Schwebungsnull beim nächsten 100 kHz-Punkt - mangels jeglicher Bandspreizung - ein Glücksfall wird. Bei unserem Testgerät konnte überhaupt nicht abgestimmt werden, da der Eichmarkengeber nur ganz leise Signale gab, die meist von durchschlagenden Sendern übertönt wurden, und während des gesamten Abstimmvorgangs eine Nebenschwingung unangenehmes Pfeifen verursachte.
Die Bandbreitenumschaltung konnten wir ebenfalls nicht auf ihre Wirksamkeit prüfen, da bei der Umschaltung von Wide auf Narrow der VFO um 3 bis 4 kHz verstimmt werden mußte.
Der BFO läßt sich - vor allem, wenn man die RF etwas zurücknimmt - feinfühlig regeln. Hier kann man durch wechselweise Abstimmung mit dem VFO und der "Pitch Control" mit etwas Geduld sauber abstimmen. Auch AM-Stationen können auf diese Weise mit geringerer Bandbreite gehört werden. Empfindlichkeit und Trennschärfe reichen für gelegentliches Beobachten der Amateurfunk- Bänder gerade noch aus; wer sich vorwiegend auf diese Bänder konzentriert, wird ohnedies einen dafür konzipierten Empfänger erwerben wollen.
Erschwerend ist, daß die Gebrauchsanweisung im üblichen Japanisch-Deutsch gehalten wird: da soll man Kippschalter "drehen", da wird Rechts und Links verwechselt, da bezeichnet der "Bandbreitenschalter" nicht etwa den Bandbreitenschalter, sondern die Bandspreizung... Nach der Gebrauchsanweisung läßt sich eine Station jedenfalls nicht abstimmen. (Daß im 49 m-Band nicht nur über eine Hauptskala, sondern auch über eine Hilfsskala abgestimmt werden muß / kann, wird im Handbuch überhaupt nicht erwähnt.)

Zusammenfassung
Ein repräsentativer Allbandempfänger mit vielversprechenden Angaben im Datenblatt. Der umständlichen Bedienung bei der Frequenzabstimmung wegen nur mit Einschränkung zu empfehlen. adxb-oe

Sanyo RP 8880 Technische Daten
Hersteller Sanyo Ltd., Japan
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp tragbarer Stationsempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper
Frequenzbereiche KW 1-5: 1.6-30 MHz sowie MW, LW, UKW
Frequenzanzeige analog
Ablesegenauigkeit +/- 10 kHz
Besonderheiten gespreiztes 49 m-Band, Eichmarkengeber 100 und 1000 kHz

HF-Teil
Empfindlichkeit 3,1 uV (6 dB S/N)
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB
schmal 6,0 / 15,0; breit 7,0 / 18,0 kHz
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 65 dB
Abstimminstrument vorhanden
Antennen 2 Teleskopantennen, drehbare Ferritantenne
Antennenanschlüsse vorhanden, Innenantennen nicht abschaltbar

NF-Teil
Leistung, Sinus 3.0 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen
Lautsprecher 4 Ohm, 12 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, Lautsprecher
Stromversorgung Netz 110/220 Volt umschaltbar, Batterie acht Monozellen
Masse 48 x 24 x 15 BHT in cm; Gewicht 4,5 kg ohne Batterien
FTZ-Nummer vorhanden
Preis DM 900,-

weitere Informationen:
d: Chassisdemontage

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl