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Sony Corporation, Tokyo

ICF - 5900 W: Testbericht © addx / Rainer Lichte

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überarbeitet am 23.10.2010

Double conversion, I.F. 10,5 MHz, 455 kHz

Analog dial, interpolation dial with 10 kHz resolution

Frequency ranges MW / 3,9-10 / 11,7-20 / 20-28 MHz / FM broadcast band

AM, CW/SSB (BFO), VHF - FM

Selectivity -6 dB/ -60 dB

Sensitivity

RF Gain, S Meter

 

Als dieser für Europa neue Empfänger vor Jahren erstmals auf dem europäischen Markt angeboten wurde, gipfelte ein Test des ICF-5900 W, verfaßt von zwei erfahrenen finnischen DXern, in der zusammenfassenden Beurteilung: "Die Wiedergabequalität erwies sich als außergewöhnlich gut fürs DXen. Besonders bemerkenswert ist das geniale System der Frequenzbestimmung, dessen Ablesegenauigkeit bei 1 bis 2 kHz über den gesamten Kurzwellenbereich von 3.8 bis 28 MHz liegt, trotz der geringen Abmessungen und des günstigen Gewichts dieses Gerätes. Auch die Empfindlichkeit und Trennschärfe - obwohl wirklich erstklassigen Funkempfängern etwas unterlegen - erwies sich als gut genug, den Anforderungen auch eines fortgeschrittenen DXers zu genügen. Als entscheidende Nachteile kann man nur die mäßige Eignung für MW-DXer (Anfälligkeit gegen Überladen, ungenaue Skala) und den fehlenden Frequenzbereich zwischen 1.6 und 3.8 MHz anführen."
Das DX-Hobby erfreut sich nicht nur bei uns in Europa steigender Beliebtheit. In Japan kletterten die Verkaufsziffern für Kurzwellenempfänger vor einigen Jahren boomartig in die Höhe, und der im März 1976 von Sony Deutschland bei uns vorgestellte ICF-5900 W wurde schon 1975 auf dem japanischen Markt eingeführt. Der Markt für Kurzwellenempfänger in Japan ist stark jugendorientiert, so daß Preis und Leistung entscheidende Rollen spielen. Gerade durch den ICF-5900 W hatte Sony die starke Stellung für Kurzwellenempfänger in Japan einnehmen können.
Dieses Konzept - insbesondere in bezug auf die Bandspreizskala und die Wiederverwendung des UKW- Zwischenfrequenzverstärkers für AM - beschert dem Käufer ein wirklich äußerst preiswertes Modell mit der Leistung von weitaus teureren Funkempfängern. Die Entwicklungstechniker von Sony hatten eine neue Ära in der japanischen Radioentwicklung eingeleitet, indem sie vorhandene Bauteile benutzten, um den Preis niedrig zu hallen und so diese Leistung zu erreichen. Entwicklungsfachleute der Konkurrenzunternehmen, die auf einige Nachteile des Sony-Gerätes verweisen - sie sagen, die Einstellung wäre für jugendliche Käufer zu schwierig - und Wert darauf legen, daß sie das gleiche hätten schaffen können, mußten zugeben, daß Sony mit diesem Gerät einwandfrei zum Marktführer im japanischen Kurzwellenempfänger- Geschäft geworden war.
Der Sony ICF-5900 W bestreicht den Mittelwellenbereich, die Kurzwellenfrequenzen 3.8 bis 28 MHz mit einer Lücke bei 11.7 MHz in drei Bereichen und den UKW-Rundfunkbereich. Die Bandspreizskala des Empfängers ermöglicht die Einstellung jeder KW-Frequenz auf zwei oder drei kHz genau, so daß die lästige Sendersuche in der Regel entfällt. Zusätzlich zur sonstigen Ausstattung sorgen u.a. die Höhen- und Tiefenregler auch für die von Heimradios gewohnte Tonqualität. Dennoch ermöglichen neu entwickelte Techniken nicht nur die Herstellung dieses Kurzwellenempfängers mittels herkömmlicher Standardbauteile, sondern sie erlauben sogar die Produktion am normalen Band der Herstellerwerks.

Abstimmung
Vielleicht die bemerkenswerteste Einzelheit dieses Gerätes ist die Abstimmungsskala mit Bandspreizung, die eine durchgehende Abstimmung der vorhandenen Kurzwellenbereiche ermöglicht. Die Bandspreizskala ist alle 10 kHz durch Teilstriche unterteilt und umfaßt einen Frequenzausschnitt von - 150 kHz (also insgesamt 300 kHz), der über einen eingebauten Eichmarkengeber geeicht wird. Weniger augenscheinlich ist die Verwendung einer Doppelsuper-Schaltung, wie sie zur sicheren Spiegelfrequenz- Unterdrückung für hochfrequente Bänder in Funkempfängern üblich ist. Der Empfänger verfügt auch über einen eingebauten BFO, um den Empfang von CW und Einseitenband-(SSB) Funkverkehr zu ermöglichen.
Das "Zustopfen" des Eingangs durch besonders stark einfallende Signale, etwa von Ortssendern in unmittelbarer Nähe, kann durch eine "DX/Local"- Umschaltung verhindert werden. Die Anordnung der Kreise für Mittelwelle und UKW entspricht üblichen Gepflogenheiten. In der Doppelsuper- Schaltung wird der erste UKW- ZF-Verstärker von 10.7 MHz auch als erste Zwischenfrequenz für den KW-Empfangsteil benutzt. Die 455 kHz -ZF für Mittelwelle dagegen dient hier als zweite Zwischenfrequenz. Durch die hohe 1. ZF ist gewährleistet, daß Spiegelfrequenzen auch im oberen Frequenzbereich so weit von der gewünschten Frequenz liegen, daß deren Unterdrückung keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Die niedrige 2.ZF-Stufe erleichtert es, die gewünschten Verstärkungs- und Durchlaßeigenschaften zu erreichen - ihre Bandbreite bestimmt die Trennschärfe des Empfängers.
Die Nutzung der UKW-ZF-Stufe als 1.ZF schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Frequenz ist für gute Spiegelfrequenz- Unterdrückung hoch genug, und das Ganze kostet nichts zusätzlich. Die 300 kHz-Bandbreite ist groß genug, die angestrebten Bandspreizeigenschaften zu erzielen, ohne die Kompliziertheit von Abstimmeinheiten mit Mehrfach- Drehkondensatoren in Kauf nehmen zu müssen.

Bandspreizung
Die Bandspreizskala verändert den zweiten Oszillator, der für die Frequenzumsetzung zwischen 1. und 2. ZF benutzt wird, um +/- 150 kHz von seiner Mittelfrequenz. Dies erlaubt eine Feinabstimmung, die auf allen Kurzwellenfrequenzen des Empfängers gleichbleibt.
Die Skala ist in fast gleiche 10 kHz-Abschnitte unterteilt. Infolge der sehr flachen Durchlaßcharakteristik der durch die UKW-ZF- abgestimmten Kreise und der breitbandigen Abstimmung der Hochfrequenzkreise ist eine fast konstante Empfindlichkeit des Empfängers über den gesamten KW- Bereich gewährleistet.
Um eine Direktablesung der Bandspreizskala zu ermöglichen, wurde ein Eichquarzgenerator eingebaut, der aus einem 0.5-MHz-Oszillator und einer Einfach-Teilerstufe besteht. Eichmarken sind in 0.25-MHz-Abständen über den ganzen Frequenzbereich des Empfängers möglich.
Zur Bedienung ist es lediglich erforderlich, die Hauptabstimmskala an der Eichmarke zu eichen, die der einzustellenden Frequenz am nächsten liegt. Nach Einschalten des Eichquarzgenerators ist hierzu die Hauptskala - allerdings mit ein wenig Fingerspitzengefühl - auf Schwebungsnull abzustimmen. Anschließend kann man nach Abschalten des Eichquarzgenerators die Bandspreizskala exakt auf die gewünschte Frequenz einstellen, ebenso auf alle anderen Frequenzen bis zu 150 kHz ober- und unterhalb der gewählten Eichmarke.
Wie bei den meisten anderen Koffergeräten mit Kurzwellenteil ist die Skalenlänge der Hauptabstimmskala (in cm pro MHz) viel zu kurz, um auf dieser Skala die gewünschte Kurzwellenstation direkt einstellen zu können. Aber die Skalengenauigkeit reicht hier voll aus, die nächste 250 kHz- Marke unschwer ablesen zu können. Und um die Schwebungsnull- Einstellung zu erleichtern, wurde jegliches Spiel in der leichtgängigen Hauptabstimmung ("toter Gang") ausgeschaltet. Wenn einmal vom Eichvorgang abgesehen wird, bei dem Schwebungsnull nach Gehör "einzupfeifen" ist, läßt sich dieser Empfänger auf die gewünschte Frequenz abstimmen, ohne auch nur ein einziges Mal "hineinzuhören".
Sonys Techniker schlossen die potentielle Gefahr des Durchschlagens von Stationen nahe der ersten Zwischenfrequenz dadurch aus, daß sie einen doppelten Mischer in der 1. Mischstufe verwendeten. Dieser Mischer, wie er in handelsüblichen Kofferradios sonst kaum verwendet wird, dient gleichzeitig als Umsetzer für das frequenzniedrigste Kurzwellenband. Ein weiteres für normale Geräte ungewöhnliches Detail ist die Verwendung eines Produktdetektors, wenn der BFO für den Empfang von Morse- oder SSB- Signalen eingesetzt wird. Diese Kombination macht die Oszillator- Eigenspannung unabhängig von der automatischen Schwundregelung und verhindert einen Empfindlichkeitsverlust bei Benutzung des Überlagerers.

Nachbemerkungen
Im Dauerbetrieb zeigen sich einige Vorteile und Nachteile des Gerätes:
- Äußerst geringer Batterieverbrauch
- Praktisches Ohrhörerfach
- Wahl des Eichpunktes und Frequenzeinstellung relativ kompliziert
- Kein Tragegriff (mitgelieferte Riemen sind unpraktisch)
- Skalenbeleuchtung erfaßt nicht die kHz-Einteilung, das Ablesen der Frequenz im Dunkeln und bei schlechter Beleuchtung ist daher erschwert.
- Ein-Aus-Schalter zu nahe an deren anderen Schaltern (Verwechslung möglich - Batterieverbrauch);
- Gerät schaltet sich bei Transport (durch Verschieben im Behälter) gelegentlich selbst ein.
- Nachlassen der Empfindlichkeit auf höheren Bändern
Trotz dieser Einschränkungen ist der ICF-5900 W im Preis/Leistungs-Verhältnis nach wie vor ein Spitzenreiter.

Sony ICF 5900W Technische Daten
Hersteller Sony Corp., Japan
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper
Frequenzbereiche KW 1: 3.9 - 10 MHz; KW 2 - 3: 11.7 - 28 MHz und MW, UKW
Frequenzanzeige analog
Ablesegenauigkeit + 5 kHz
Besonderheiten Eichmarkengeber 250 kHz
HF-Teil
Empfindlichkeit 3 uV (10 dB S+N/N)
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB; 3.5 / 12,0
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 62 d8
Abstimminstrument vorhanden
Antennen Teleskopantenne, Ferritantenne für MW
Antennenanschlüsse Kemmbuchsen
NF-Teil
Leistung, Sinus 1.9 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen
Lautsprecher 8 Ohm, 10 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, Lautsprecher, Aufnahme
Stromversorgung Netz 110/220 Volt über Adapter; Batterie drei Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 7,4 Watt bei Netzbetrieb
Maße 22 x 23 x 10 BHT in cm
Gewicht 2.2 kg mit Batterien
Bestückung 1 IC, 27 Transistoren, 15 Dioden
FTZ-Nummer vorhanden
Preis DM 370,-

© Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl